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■ Das PortraitKim Young Sam

„Ich will einmal Präsident von Korea werden“, ritzte der ABC-Schütze Young Sam vor langer Zeit in die Schulbank. Das behauptet jedenfalls eine Legende über den 65jährigen ersten zivilen Staatschef Südkoreas seit drei Jahrzehnten.

Von seinen engsten Getreuen aus seiner Heimatstadt Pusan geliebt und von den politischen Feinden als Verräter gebrandmarkt, hat sich Kim mit taktischer Raffinesse und Ausdauer den Weg an die Spitze gebahnt.

Doch bis zum Ziel seiner Kinderträume war es ein steiniger Weg für den langjährigen Oppositionellen und Kritiker der vergangenen südkoreanischen Militärdiktaturen. Als einer der jüngsten Abgeordneten zog Kim, Sohn eines wohlhabenden Fischfarmbesitzers auf der südlichen Insel Koje, in die Seouler Nationalversammlung ein.

Während der Militärdiktaturen unter Park Chong Hee (1961–79) und Chun Doo Hwan (1980–87) stand Kim gemeinsam mit seinem Namensvetter und Oppositionsführer Kim Dae Jung an vorderster Front im Kampf für Demokratie und Freiheit. Er erhielt politisches Betätigungsverbot.

Doch anders als sein charismatischer Weggefährte und Intimfeind saß er nie längere Zeit im Gefängnis. Die Rivalität zwischen den beiden führte bei den Präsidentenwahlen 1987 zur endgültigen Spaltung der größten Oppositionspartei.

Foto Nr. 7

Foto: Reuter

Vor zwei Jahren schloß sich die Partei Kim Young Sams dann mit der Regierungspartei des Präsidenten Roh Tae Woo zusammen, ein geschickter Schachzug, der dem ehrgeizigen Politiker den Weg ins „Blaue Haus“, den Seouler Präsidentenpalast, ebnen sollte. Da er von Ökonomie so gut wie gar nichts verstand, heuerte Kim einen Experten an, der ihm in einem Crash-Kurs die Grundregeln des Wirtschaftslebens beibrachte.

Politisch wird der neue Präsident im konservativen Lager angesiedelt. Der Protestant und Vater von fünf Kindern gilt als ein Bewunderer von Margaret Thatcher, deren wirtschaftliche Roßkur er für ein gutes Rezept zur Gesundung der koreanischen Wirtschaft hält.

Daß Kim auch etwas an der koreanischen Wiedervereinigung liegt, beweist ein Blick in sein Büro. Am liebsten läßt sich der kommende Chef des „Blauen Hauses“ vor einer Fotografie des Paektu-Berges ablichten, und der liegt in Nordkorea. Peter Lessmann, dpa

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