Das Portrait: Springer zwischen zwei Lagern
■ Seth Sendashonga
Wer in Ruanda versucht, sich zwischen den Fronten der Tutsi-dominierten Regierung und der bewaffneten Hutu-Extremisten aufzuhalten, lebt gefährlich. Seth Sendashonga, eine Zeitlang Minister im „neuen Ruanda“ und dann Exiloppositionsführer, hat diesen Versuch jetzt mit dem Leben bezahlt. Am späten Samstagnachmittag feuerten Unbekannte auf einer Straße in Kenias Hauptstadt Nairobi drei Schüsse aus AK-47-Gewehren auf ein UN-Fahrzeug, mit dem Sendashonga unterwegs war. Sendashonga und sein ruandischer Fahrer waren sofort tot.
Ein Leben lang hatte Sendashonga Feinde gesammelt. Als Student an der Universität Butare in den 70er Jahren ging der Hutu Sendashonga auf Oppositionskurs gegen den damaligen Hutu-Präsidenten Juvenal Habyarimana. Als 1990 die „Ruandische Patriotische Front“ (RPF) unter Führung von in Uganda lebenden ruandischen Exiltutsi als bewaffnete Kampfgruppe gegen das Habyarimana-Regime gegründet wurde, schloß sich Sendashonga ihr an und stieg in die Führung auf. Während des Völkermords an Ruandas Tutsi, in dessen Organisation nach Angaben von Menschenrechtlern auch Sendashongas Bruder Abel Furere als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Rwamatamu verwickelt war, lebte er im RPF-Machtbereich. Als die RPF im Juli 1994 die Macht in Ruanda ergriff, wurde Sendashonga Innenminister.
Im August 1995 kam es zum Bruch. Zusammen mit anderen prominenten Hutu, darunter Premierminister Faustin Twagiramungu, verließ Sendashonga die RPF- dominierte Regierung. Seine Begründung: Massaker durch RPF-Soldaten würden von der RPF-Führung gedeckt. Er ging ins Exil und gründete später mit Twagiramungu die „Widerstandsfront für Demokratie“ (FRD). Diese Bewegung versuchte, im Exil eine gemäßigte Opposition zur RPF- Regierung aufzubauen. Damit setzte sich Sendashonga der Gefahr der Vereinnahmung durch Ruandas Hutu- Extremisten aus. Er wurde für Ruandas Regierung zum ernstzunehmenden Gegner.
1996 überlebte Sendashonga in Nairobi schon einmal einen Mordanschlag, in den ein Mitarbeiter der ruandischen Botschaft verwickelt gewesen sein soll. Jetzt haben die Mörder ihr Ziel erreicht. Wieder ein Wanderer weniger zwischen Ruandas verfeindeten Welten. Dominic Johnson
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