piwik no script img

Das Mobben stoppen

■ Fachtagung der DAG über Konfliktbewältigung am Arbeitsplatz

Das Mobben stoppen

Fachtagung der DAG über Konfliktbewältigung am Arbeitsplatz

„Auch König Ludwig von Bayern litt unter Mobbing — mit tödlichen Folgen, wie man weiß“, sagte Personalberater Dieter Kandziora gestern vor etwa hundert ZuhörerInnen im Marriott-Hotel. Die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) hatte zur Fachtagung „Konfliktbewältigung am Arbeitsplatz“ im Rahmen ihrer „No Mobbing“-Kampagne eingeladen. Deutlich wurde: Mobbing gibt es überall, die Belästigten und Terrorisierten können nichts dafür, doch auch der fiese Chef ist nicht der Hauptgrund für „Mobbing“: wirklich verantwortlich ist eine falsche Arbeitsorganisation. Udo Möckel vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt (KDA): „Wir leben zunehmend in einer Raffergesellschaft, wo wir uns gegenseitig zu Tode hetzen. Mobbing entsteht, weil wir im anderen nicht den Mitmenschen, sondern den Gegner sehen, um die Ellenbogen einzusetzen.“ Die Folge: Vereinzelung der Menschen, wenig Transparenz innerhalb der Arbeitsplätze, ein „militärischer Aufbau der Hierarchie“ in Betrieben. Was Möckel als Maßnahme gegen das Mobbing vorschlägt, klingt so, als wäre der Kirchenmann ein Sympatisant der taz: „Abbau von Hierarchien, selbstverantwortete Arbeit, Transparenz der Arbeitsbetriebe.“

Personalberater Kandziora wies auf die „immensen Kosten“ des Mobbing hin: „Wer ständig ausgegrenzt wird, kann sich nicht selbst helfen. Die einzige Art der Reaktion ist dann die Krankheit, was große Kosten wegen Betriebsausfalls und in der Krankenversicherung verursacht.“ Beim täglichen Terror auf der Arbeit seien alle beteiligt, die mitmachten oder nur zuschauten, wenn schwarze Schafe geschoren würden. Seine Lösung: die Arbeit darf nicht überfordern, und Arbeitsteams dürfen nicht nur nach fachlicher Qualifikation, sondern auch nach menschlichen Sympathien zusammengestellt werden.

Michael Becker, Arzt für Neurologie und Psychatrie am Waldsanatorium Bad Lippspringe, behandelt Mobbing-Opfer. „Es kann jeden treffen, aber den Opfern wird oft eingeredet, es liegt an ihnen“, sagt er. Alle Patienten mit solchen Erfahrungen hätten an Selbstmord gedacht oder ihn bereits versucht und kämen körperlich und geistig „richtig fertig“ in die Klinik. Die Behandlung der Opfer bestehe aus Sport, Entspannungsübungen, juristischer Beratung, aber auch erstmal durch ein offenes Ohr: „Oft wird den Menschen ja gar nicht geglaubt.“ Bernhard Pötter

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen