: „Das Haus hatte mit Juden zu tun“
■ Angaben zum Tatverlauf im Prozeß um Brandanschlag
Schleswig (taz) – Im Prozeß wegen des Brandanschlags auf die Lübecker Synagoge wurden die vier Angeklagten gestern zur Sache befragt. Während sowohl der 22jährige Dirk B. als auch der 25jährige Stephan Marcus W. die Tat abstreiten, hatten die beiden 20jährigen Angeklagten schon am ersten Prozeßtag zugegeben, an dem Anschlag beteiligt gewesen zu sein. Die Bundesanwaltschaft wirft den vier Männern fünffachen versuchten Mord und schwere Brandstiftung vor.
Mit großen Erinnerungslücken schilderte gestern Boris Sven H.-M. vor dem Oberlandesgericht in Schleswig den Tatablauf. Allerdings kann der 20jährige sich an vieles nicht mehr erinnern. Häufig zuckte er auf Fragen des Vorsitzenden Richters Hermann Ehrich mit den Schultern und erklärte, „ich weiß nicht, kann möglich sein“. Ganz sicher sei er sich hingegen, daß sie zu viert gewesen seien und seine Mitangeklagten dabei waren. Der gleichaltrige Nico T. erklärte dagegen vor Gericht, er möchte nicht sagen, wer außer ihm und Boris am Anschlag beteiligt gewesen sei.
Den Tatverlauf beschrieben beide in ähnlichen Worten. Nachdem sie schon den ganzen Tag über viel Bier getrunken hätten, habe man sich abends auf einem Spielplatz getroffen. Dort sei von einem schwarzen Kanister eine Flüssigkeit in Flaschen mit Schraubverschluß gefüllt worden. Anschließend seien sie zur Synagoge gegangen. Das Gebäude wollen beide gekannt haben. „Ich wußte, daß das Haus irgend etwas mit Juden zu tun hat, was genau, wußte ich nicht“, sagte Boris Sven H.-M.. Nico T. dachte, es sei eine Schule.
Beide wollen in der Brandnacht zum 25. März dieses Jahres ihre Molotowcocktails nicht auf das Gebäude geworfen haben. Boris Sven H.-M. gab vor Gericht an, er habe die Flasche auf der rechten Seite des Gebäudes abgestellt. „Mir ging durch den Kopf, daß Leute da drinnen wohnen könnten.“
Nico T. will den Brandsatz in einen Mülleimer geworfen haben. Anders als sein Freund erinnerte er sich auch am folgenden Tag noch an die Geschehnisse in der Nacht. Boris Sven H.-M. erklärte gestern, erst bei den Vernehmungen durch die Polizei sei seine Erinnerung an manche Sachen wiedergekommen. Kersten Kampe
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen