Das Ende für Bremens rot-gelben Club: Masse statt Breite

Damit der kommerzielle Fußball und andere Katastrophen mehr Platz haben, wurde der Tennisclub neben dem Weserstadion plattgemacht

Ambitionierte Amateure, früher. Foto: Jan Zier

BREMEN taz | Nun ist also Platz, viel Platz: für randalierende Fußballfans, für Polizisten, sie in Schach zu halten, für Katastrophen. Nur für Sport, da ist kein Platz mehr.

Viele Jahrzehnte spielten sie Tennis, hier bei Rot-Gelb, im Schatten des Weser-Stadions, im Überschwemmungsgebiet. Und irgendwie ging das immer gut. Samstags kamen die Freunde von Werder, und unter der Woche die Tennisspieler. Viele ältere Damen und Herren, manche noch drahtig, manche schon mit Bauchansatz. Seit ewigen Zeiten spielen sie miteinander, ohne dass Rot-Gelb allzu elitär oder ambitioniert gewesen wäre. Breitensport eben. Anschließend saßen sie zusammen in dem großen Clubhaus, auf der Dachterrasse, bei einem Kaffee, einem Bier.

Heute erinnert nichts mehr daran. Die Bagger haben all das abgerissen, die Tennisplätze überrollt, nichts als eine riesige leere Fläche hinterlassen. Genau die braucht es hier, sagt die Stadt, nur für den Fall, das mal was passiert, eine Bombenexplosion zum Beispiel.

Hier traf man sich zum verdienten Bier nach dem Spiel. Foto: Jan Zier

Es ist der Sieg des Goliath gegen den David – und das Ende einer jahrelangen Auseinandersetzung. 2008 wurde das Vereinsgelände von Rot-Gelb erstmals versetzt, damit der kommerzielle Fußball mehr Platz hat, drei Jahre später verkleinert. 2013 schließlich kündigte die Stadt den Pachtvertrag mit dem Tennisclub. Der anschließende Rechtsstreit endet erwartungsgemäß: mit einer Niederlage für Rot-Gelb. Nun muss der Verein mit mit seinen 140 Mitgliedern mit der Konkurrenz von Rot-Weiß fusionieren. Die sitzen am Stadionbad, immerhin: ganz in der Nähe.

Wo einst das Clubhaus stand, sollen nun Rettungsfahrzeuge parken, eine Spundwand drumherum die Arena zudem besser gegen die Sturmfluten der Weser schützen. Einmal mussten sie das Stadion nachts schon räumen. Weil es vor dem Deich steht.

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