Darknet-Ermittler festgenommen

Drogenfahnder steckten Bitcoins ein

Beim Verfahren gegen den Darknet-Handelsplatz Silk Road wurden hohe Summen der digitalen Währung konfisziert. Hier griffen die Ermittler zu.

Drogen kaufen im Amazon-Modus: bei Silk Road war das möglich. Bild: dpa

BERLIN taz | Zwei Drogenfahnder sind am Montag in den USA festgenommen worden, weil sie digitales Geld geklaut haben sollen. Ihnen wird Geldwäsche und Computerbetrug vorgeworfen. Die beiden Ermittler hatten maßgeblich dazu beigetragen, dass ein Prozess um einen der größten Drogenumschlagplätze des Darknets zustande kam. In dem Verfahren gegen den Erfinder und Betreiber des Online-Drogenmarktes Silk Road wird im Mai die Verkündung des Strafmaßes erwartet.

Während der Ermittlungen gegen die Silk-Road-Betreiber soll einer der beiden Fahnder Hunderttausende Dollar aus dem konfiszierten Bitcoin-Vermögen auf ein Privatkonto überwiesen haben. Dem anderen wird vorgeworfen, heimlich für die Bitcoinbörse CoinMKT gearbeitet zu haben, wo er als Mitarbeiter der Drogenvollzugsbehörde DEA des US-Justizministeriums Beträge beschlagnahmte und dann Zwangsmaßnahmen anordnete, um sich Geld von eingefrorenen Konten zu besorgen.

Doch das ist nicht alles: Gleichzeitig soll der Fahnder namens Carl Force, beschäftigt bei der Drogen-Task-Force in Baltimore, vertrauliche Informationen an den mittlerweile verurteilten Betreiber der Silk-Road, Ross Ulbricht, verkauft haben. Er verwendete dabei angeblich zwei Pseudonyme. Der 46 Jahre alte Drogenfahnder Force gab sich außerdem als Krimineller aus und bot dem Silk-Road-Chef Ulbricht an, einen Mitarbeiter umzubringen, von dem Ulbricht fürchtete, er könne gegen ihn aussagen. Ulbricht, der sich zu dem Zeitpunkt „Dread Pirate Roberts“ nannte, gab den Mord in Auftrag.

Die Drogenfahnder in Baltimore inszenierten die Ermordung und ließen Ulbricht glauben, er habe tatsächlich jemand aus dem Weg räumen lassen. Es war der erste einer Reihe von Mordaufträgen, die ihm später zur Last gelegt wurden.

Ulbricht droht eine lebenslange Haft

Einer //:Pressemitteilung des Justizministeriums zufolge war das jedoch nur der Anfang: „Force entwickelte, ohne Zustimmung der Behörde, weitere Online-Persönlichkeiten und verstrickte sich in eine Vielzahl illegaler Aktivitäten, mit Hilfe derer er sich persönlich bereicherte. „Die beträchtlichen Anstrengungen der Regierung, diesen riesigen Skandal während des Prozesses unter Verschluss zu halten, ist für sich genommen ein Skandal“, teilte Ulbrichts Anwalt mit.

Ross Ulbricht, der vermeintliche „Dread Pirate Roberts“, war im Februar unter anderem wegen Geldwäsche und dem Führen einer kriminellen Unternehmung von einer Jury nach drei Stunden Beratung verurteilt worden. Das Strafmaß soll im Mai bekannt gegeben werden. Eine lebenslange Haftstrafe ist durchaus wahrscheinlich.

Bereits jetzt kündigte Ulbrichts Verteidigung an, sie werde einen neuen Prozess anstreben. Die Begründung: Die staatlichen Drogenfahnder hätten das Tor-Netzwerk, in dem die Silk Road betrieben wurde, gehackt. Die Informationen, auf denen der Prozess fußt, seien damit illegal. Ulbrichts Verteidiger hatte während des Prozesses unter anderem argumentiert, sein Mandant sei gar nicht die ganze Zeit über „Dread Pirate Roberts“ gewesen. Vielmehr habe ein Strippenzieher im Hintergrund Ulbricht hereingelegt und irgendwann das Kommando übernommen.

Mehrere andere Silk-Road-Mitarbeiter hatten sich in anderen Prozessen schuldig bekannt.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben