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„Da kann ich locker mithalten“

Das exklusive Wahrheit-Interview: Steht der alternde Dichter Thomas Gsella aus Aschaffenburg bei der Neuverfilmung von „Conan der Barbar“ vor einem fulminanten Comeback als Filmstar?

Von Gerhard Henschel

taz: Herr Gsella, man kennt Sie als Dichter und Satiriker und davon abgesehen auch als umgänglichen, weichherzigen Menschen, der keiner Fliege ­etwas zuleide tun könnte. Wie kommt es, dass Sie in dem geplanten Remake des Film­klassikers „Conan der Barbar“ die Hauptrolle spielen werden?

Thomas Gsella: Vitamin B. Zwei meiner Urgroßnichten haben sich einen Executive Producer von Paramount Pictures gefügig gemacht.

taz: Haben Sie schon in anderen Filmen mitgespielt?

Meines Wissens nur in einem Super-8-Film von meiner Einschulung in Essen-Steele im Jahr 1964.

taz: 1982 hat Arnold Schwarzenegger die Hauptrolle in ­„Conan der Barbar“ gespielt und damit seinen internationalen Durchbruch erzielt. Peilen Sie einen ähnlichen Welterfolg an?

Da fragen Sie den Falschen. Ich muss mir nichts mehr beweisen.

taz: Ihnen selbst vielleicht nicht, aber doch dem Kinopublikum …

Das wird schon sehen, was es an mir hat.

taz: Wie bereiten Sie sich auf Ihre Rolle vor?

Wegen meiner Gichtprobleme übe ich zurzeit viele Kniebeugen aus, und in den gefährlichen Szenen werde ich von meinen alten Freunden Frank Schulz und Christian Y. Schmidt gedoubelt.

taz: Es heißt, dass Ihre Gage 150 Millionen Dollar beträgt. Können Sie das bestätigen?

Ihr Journalisten wollt es ja immer ganz genau wissen, aber ich sage Ihnen eins: Für mich kommt es auf eine Million mehr oder weniger nicht an.

taz: Wo werden die Dreharbeiten stattfinden?

Hauptsächlich im Raum Aschaffenburg, wo ich beheimatet bin. Ich muss mich sechsmal die Woche von meinem Physio fitspritzen lassen und kann nicht einfach tagelang in der Weltgeschichte herumfliegen.

taz: Die „Bunte“ hat letzte Woche ein Foto veröffentlicht, auf dem zu sehen ist, wie Sie mit einem Rollator einen Zebrastreifen überqueren. Wie gut sind Sie noch zu Fuß?

Ich will da nichts beschönigen. Meine Kräfte haben ­nachgelassen. Für diesen Blockbuster werden sie aber noch reichen.

taz: Rechnen Sie mit einem Oscar?

Da ich bereits mit dem Cuxhavener Joachim-Ringelnatz-Nachwuchs-Preis und dem Robert-Gernhardt-Preis geehrt worden bin, ist mein Bedarf in dieser Hinsicht gedeckt. Soll ich Ihnen einmal sagen, wie ich mich wirklich fühle?

taz: Nur zu.

Dann zitiere ich jetzt ein Gedicht meines Idols Friedrich Rückert: „Ich bin müde, sterbensmüde; / Ich bin müde, lebensmüde; / Dieses Bangens und Verlangens, / Dieses Hoffens, Bebens müde; / Dieses zwischen Erd und Himmel / Auf- und Niederschwebens müde; / Dieses spinnengleichen Wesens / Hirngespinste-Webens müd / Müde dieser Torenweisheit / Stolzen Überhebens müde …“

taz: Das klingt nicht gerade so, als ob Sie vorhätten, in der Rolle des Barbaren Conan besonders spritzig und viril aufzutreten.

Warten Sie’s ab. Ich habe mich intensiv mit dem sogenannten Method Acting nach Konstantin Stanislawski beschäftigt und mir auf DVD auch einiges von den Größten unter meinen Vorgängern in diesem Genre abgeschaut: Errol Flynn, Charles Bronson, Bruce Lee, Chuck Norris und natürlich auch Arnold Schwarzenegger. Und wissen Sie was? Die haben alle ihre Zipperlein gehabt: Flynn Ischias, Bronson Osteoporose, Lee Karpaltunnelsyndrom, Norris rheumatoide Arthritis und Schwarzenegger Hammerzehen. Da kann ich locker mithalten.

taz: Wer wird Ihre Filmpartnerin sein?

Barbara Schöneberger. Wir mögen uns, auch als Menschen, und ich bin immer wieder hingerissen von ihrem erfrischenden Mutterwitz.

taz: In Hollywood gibt es auch kritische Stimmen. In einem Interview mit der Zeitschrift „Vanity Fair“ hat Robert De Niro erklärt, dass Sie für die Rolle als Conan zu „spillerig“ seien: „Thomas Gsella is far too skinny for this role.“ Bedrückt Sie das?

Weit gefehlt. Rob und ich sind alte Freunde. Er hat da nur Spaß gemacht.

taz: Clint Eastwood soll allerdings gesagt haben: „Casting a flibbertigibbet like Thomas Gsella in the role of Conan the Barbarian would spell the end of cinema as we all know it.“

Casting a flibbertigibbet like Thomas Gsella in the role of Conan the Barbarian would spell the end of cinema as we all know it

Clint Eastwood

Können Sie das übersetzen?

taz: Sinngemäß bedeutet das, dass Eastwood seine Zweifel an dem Entschluss angemeldet hat, die Rolle des Barbaren Conan einem Luftikus wie Ihnen anzuvertrauen.

Wie war der Name?

taz: Eastwood. Herr Gsella, welchen Wochentag haben wir heute?

Mittwoch.

taz: Falsch. Sonntag.

Ach ja?

taz: Wie heißen Sie?

Thomas Gottschalk oder so ähnlich.

taz: Haben Sie Schmerzen?

Zurzeit nur zwischen meinem großen Onkel rechts und dem Zeh daneben, weil sich da ein unansehnliches Furunkel gebildet hat. Wollen Sie mal sehen?

taz: Können Sie normal atmen?

Was heißt schon normal? Ich kenne Leute, die seit Jahren nicht mehr geatmet haben …

taz: Haben Sie Alkohol oder Drogen konsumiert?

Früher mal. Das ist aber schon lange her.

taz: Dann sind wir beruhigt. Vielen Dank für dieses offene Gespräch!

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