DIE WORTKUNDE:
Die diesjährige Liste der Neologismen des Oxford Dictionarys ruft nicht gerade positive Gefühle hervor, stellte das Magazin The New Yorker unlängst fest. So spiegeln „post-truth“, „alt-right“ und „Brexiteer“ die weltpolitische Entwicklung im Jahr 2016 umfassend wider. Doch ein kleines, herrlich unpolitisches Wort darf sich unter das neologistische Wortgewitter mischen – das dänische HYGGE. Aus dem 16. Jahrhundert und aus Norwegen stammend bedeutet das Adjektiv so viel wie „gemütlich“.
„Hygge“ hat sich von seiner heimeligen Herkunft gelöst und sich in den angelsächsischen Sprachraum aufgemacht. Dort wurde es sogleich herzlichst willkommen geheißen und seine Ankunft zum Anlass genommen, gleich neun Bücher mit ihm zu betiteln, darunter Kochbücher und Wellness-Ratgeber. Dass die angelsächsische Zunge es schwer hat, das Wort über die Lippen zu bringen, scheint dabei nicht zu stören.
Das kleine „hygge“ ist ein Geniestreich der Marketingindustrie. So taucht es als Hashtag vor allem in Verbindung mit kuscheligen Kaschmirsocken und Sofakissen auf. Aber man kann es auch als kollektive Realitätsflucht deuten: ein Rückzug aus der Welt der bösen Nachrichten und Rückkehr vor den Kamin. Hierzulande spricht niemand von „hygge“. Das norddeutsche „muggelig“ bietet den hiesigen Neologismen, den „Gefährdern“ und „Abgehängten“, bisher die Stirn. Nora Belghaus
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