: DDR-Gewerkschaften protestieren
Berlin (dpa) - Die DDR-Gewerkschaften haben die bisherigen Vorstellungen der Ostberliner Regierung zur Wirtschaftsreform als einen „Generalangriff auf die Mitbestimmungsrechte der Betriebsgewerkschaftsorganisationen“ kritisiert. „Wir werden das nicht kampflos hinnehmen“, heißt es in einem Beitrag in der Gewerkschaftszeitung 'Tribüne‘ vom Montag.
Der Generalangriff auf die gewerkschaftlichen Rechte hat nach Meinung des Vorbereitungskomitees für den außerordentlichen Gewerkschaftskongreß mit der Verordnung über Joint-ventures (Gemeinschaftsunternehmen) begonnen. Entgegen festen Zusagen seien die gewerkschaftlichen Mitbestimmungsrechte in den Beschluß der Regierung nicht mit aufgenommen worden. „Unter dem Deckmantel 'Demokratisierung der Wirtschaft‘ lassen wir uns das gewerkschaftliche Vereinbarungs-, Vorschlags-, Zustimmungs-, Informations- und Kontrollrecht nicht demontieren“, heißt es weiter.
In einem Kommentar wird die Forderung nach Einrichtung von Betriebsräten mit dem Hinweis kritisiert, hier werde bundesdeutsches Recht schematisch übertragen. In der BRD seien Betriebsräte auch zum Betriebsfrieden verpflichtet. Die Gewerkschaftszeitung vermißt bei den Vorschlägen auch eine ausreichende soziale Absicherung. Westlicher Kapitalfluß dürfe nicht dazu führen, daß soziale Sicherheit zum Fremdwort werde.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen