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Von der Debatte um ethnisch legitimierte „Identity Politics“ in den USA sind hierzulande fast nur die Einsprüche bekanntgeworden, mit denen die schwarze Kulturkritik den exklusiven Kanon des weißen Amerika auflöst. Lesenswerte neue Beiträge dazu finden sich in einem Dossier zu „Music and the Politics of Race“ der Zeitschrift Cultural Studies.

Weit weniger Resonanz fand dagegen bisher die intellektuelle Produktion anderer ethnischer Minderheiten. In der jüngsten Nummer von Cultural Critique untersucht David Palumbo-Liu den problematischen Versuch japanisch- amerikanischer Erzähler, ein differentes „subalternes“ Selbst zu konstruieren: Denn um sich selbst als Subjekt zu repräsentieren, muß der Kanon des „dominanten Anderen“ zunächst als symbolisches Kapital ausgestellt werden. Der subalterne Erzähler affirmiert also unvermeidlich die falsche Universalität des dominanten Diskurses, ohne selbst jemals aktiv an ihr teilzuhaben. Liu plädiert dennoch dafür, in solchen transkulturellen Montagen die Umsetzung einer Dialektik von Assimilation und Widerstand zu erkennen.

Ein ähnliches „Grenzbewußtsein“ propagiert Yvonne Yarbro- Bejarano im gleichen Heft für das Werk Gloria Anzaldúas, einer Chicana-Feministin, und verwehrt sich gegen Einverleibungsversuche seitens einer Postmoderne, die überall dezentrierte und entgrenzte Subjektivitäten erkennen will. Denn von einer „Krise des Realen“ könne für die am eigenen Körper erlebte und erlittene Differenzerfahrung der Anzaldúaschen „neuen Mestizin“ kaum die Rede sein. Nicht alle sind gleichermaßen Migranten im Weltendorf.

Den Grenzbegriff der „Chicano Studies“ untersucht auch Claire F. Fox in Social Text: Wo „alle großen Metropolen inzwischen vollkommen durchgrenzt worden [sind und] alle aus[sehen] wie Downtown Tijuana samstags nachts“, scheint es zwar naheliegend, den Zwischenraum zur kulturellen Allegorie zu ästhetisieren. Doch nähere sich die Konstruktion einer enträumlichten „border identity“ gefährlich einem beliebigen Multikulturalismus, der die brutale Realität der amerikanisch-mexikanischen Grenze aus den Augen verliere. Noch skeptischer beurteilt Micaela di Leonardo im gleichen Heft die Identitätskonstruktionen italienischer oder irischer „white ethnics“, die scheinbar homogene, auf „Ur-Identitäten“ gegründete Kollektive erzeugten und dabei ökonomische Widersprüche verschleierten. Solche – weißen – ethnischen Defensivreaktionen hätten den Stein nämlich erst ins Rollen gebracht: „am Schlamassel der ,Identity Politics‘ hat allein der weiße Ethnizismus schuld“.Jens Andermann

Cultural Studies 8:3 (1994). ISSN 0950-2386 (Jahrespreis UK 22 Pfund; Cultural Critique 28 (1994). ISSN 0882-4371 (15,50 US-Dollar); Social Text 41 (1994). ISSN 0164-2472 (24 US-Dollar).

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