Coronamaßnahmen in Irland: Luxusquarantäne auf eigene Kosten
Irland hat in der Pandemie nun besonders strenge Einreisebestimmungen. Menschen aus 49 Ländern müssen in Quarantänehotels – selbst Geimpfte.
Foto: Clodagh Kilcoyne/reuters
Irlands Covidrestriktionen seien „verrückt“, hat der Verband der Luftfahrtindustrie festgestellt. Seit dem 26. März müssen Einreisende aus 33 Ländern für zwölf Tage in Quarantäne. Am Donnerstag kamen 16 weitere Länder hinzu – darunter die USA, Italien, Frankreich und Belgien.
Wer aus diesen Ländern nach Irland will, muss vor der Reise ein Hotelzimmer in einem von vier designierten Dubliner Quarantänehotels buchen – auf eigene Kosten. Die liegen bei rund 1.800 Euro. Das gilt auch für Geimpfte und Passagiere, die in einem dieser Länder lediglich umsteigen. Es sind die strengsten Einreisebestimmungen in Europa.
Die Fluglinien sollen die Einhaltung der Bestimmungen überwachen und niemanden ohne Hotelbuchung befördern. Jennifer Janzen von der Brüsseler Organisation Airlines for Europe monierte: „Die Mitarbeiter von Fluglinien sind nicht dafür ausgebildet, Polizeiaufgaben zu übernehmen.“ Der Herausgeber des Reisemagazins Travel Extra, Eoghan Corry, sagte: „Seit hundert Jahren versuchen wir, unseren Ruf als Land aufzubauen, das Menschen willkommen heißt.“ Nun sei man drauf und dran, diesen Ruf zu ruinieren.
Da die Regierung die Maßnahmen bereits eine Woche vor Inkrafttreten verkündet hatte, setzte ein Ansturm auf Flugtickets ein. Im März reisten noch mehr als 3.000 Menschen aus den 33 Hochrisikoländern ein, diese Woche waren die Flugzeuge aus den 16 zusätzlichen Ländern proppenvoll. Derzeit darf aber niemand mehr aus diesen Risikoländern einreisen, denn die vier Quarantänehotels sind ausgebucht.
Quarantäneverweiger*innen am Pranger
Der Unternehmer Patrick Coveney, Bruder des irischen Außenministers Simon Coveney, warf der Regierung „Inkompetenz“ vor. „Wir sind abgeschnitten von den USA und weiten Teilen der EU“, sagte er. Es bestünde Zweifel, dass sich die Regierung genug „Gefängniskapazitäten in Hotels“ sichern könne, um die Maßnahmen aufrechtzuerhalten.
Zwei Irinnen, die vor zwei Wochen aus Dubai eingereist waren, verweigerten die Zwangsquarantäne. Sie hatten sich dort die Brüste vergrößern lassen. Unglücklicherweise bekamen beide Brustentzündungen und mussten zur Nachuntersuchung nach Dubai. Wegen ihres Neins zur Quarantäne wurden sie in Haft genommen, bis sie sich doch ins Hotel begaben. Die irischen Medien stellten sie an den Pranger, Zeitungen veröffentlichten Fotos sowie ihre Namen und Adressen. Die Frauen haben Verfassungsbeschwerde gegen die Zwangsquarantäne eingelegt.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert