Corona-App in Frankreich: Fehlstart von „Stop-Covid“

Frankreichs Parlament hat grünes Licht für eine Corona-Warn-App gegeben. Doch Bedenken zu Datenschutz und Funktionsweise bleiben.

Ein eFrau mit Smartphone und Mundschutz in einem digital bearbeiteten Foto.

Die App kann bald genutzt werden, aber wird sie funktionieren? Frau mit Smartphone in Rennes Foto: Valentin Belleville/imago

PARIS taz/dpa | Schon ab diesem Wochenende soll BenutzerInnen von An­droid- und iOS-Mobiltelefonen in Frankreich die App „StopCovid“ zur Installation zur Verfügung stehen. Die Datenschutzbehörde CNIL und auch beide Parlamentskammern haben grünes Licht für den Start des Melde- und Warnsystems zur Bekämpfung des Coronavirus gegeben.

Die Debatte aber ist nicht vorbei, auch wenn die Nutzung der App freiwillig ist und die Daten anonym bleiben sollen. Es bestehen weiterhin Bedenken zum Persönlichkeitsschutz, der Datensicherheit und zur Funktionsweise. Am Dienstag teilte der französische Staatssekretär für Digitales im Wirtschaftsministerium, Cédric O, mit, dass die App von wohlwollenden, „ethisch“ motivierten Hackern auf Risiken getestet werde.

Wie funktioniert die App? Personen, die sich lange genug in der Nähe einer positiv auf das Virus getesteten Person aufgehalten haben, werden per Bluetooth erfasst. Sie erhalten dann die freundliche Einladung, wegen einer möglichen Ansteckung alle bereits bekannten Vorsichtsmaßnahmen oder eine freiwillige Quarantäne zu ergreifen und sich ihrerseits testen zu lassen. Gegebenenfalls können sie dann mit einem der App kommunizierten QR-Code (der mit dem Testergebnis vom Labor mitgeteilt wird) ihre Umgebung vor weiteren Infektionen bewahren. Eine positive Kettenreaktion als Alarmsystem also.

Das klingt zunächst einfach, war aber aus Datenschutzgründen nicht so simpel. Allein schon der Verdacht, es könne ein Überwachungssystem mit einer behördlichen Registrierung von persönlichen Daten der Infizierten entstehen, könnte die Bevölkerung abhalten, die App zu benutzen. Von der möglichst großen Zahl der Nutzerinnen und Nutzer aber hängt es ab, ob diese den wesentlichen Beitrag im Kampf gegen Covid liefern kann.

Technische Probleme

Eine technische Schwierigkeit besteht in der nur auf kurzen Distanzen hergestellten Bluetooth-Verbindung. Darf, soll oder muss die App auf An­droid- und iOS-Apparaten die Bluetooth-Funktion „wecken“, wenn sie nicht bereits aktiviert ist? Experten geben zu bedenken, dass die französische App mit dem derzeit geplanten Konzept nicht von den neuen Schnittstellen unterstützt wird, die Apple und Google für Corona-Tracing-Apps kürzlich bereitgestellt haben.

Das habe insbesondere bei Apples iPhone zur Folge, dass die App nicht im Hintergrund laufen könne. Sie müsse immer im Vordergrund geöffnet sein, um ständig Bluetooth-Signale senden und empfangen zu können. Damit ist sie unter dem Apple-Betriebssystem iOS nach Experteneinschätzung quasi unbrauchbar.

Ein weiteres Problem: Damit die App ein anderes Telefon entdeckt, muss die Distanz weniger als 1,5 Meter betragen. Die genaue Distanz kann Bluetooth aber nicht berechnen. Eine GPS-Ortung soll angeblich nicht verwendet werden.

Die französische Vereinigung für Bürgerrechte im Internet, La Quadrature du Net, bleibt skeptisch und hält die App, deren Missbrauch nicht ausgeschlossen werden könne, für vermutlich ineffizient. Vor allem werde womöglich eine weitere Überwachung mit Videokameras und Tracking-Apps eingeleitet und legitimiert. Die Frage, die sich die potenziellen NutzerInnen vor einer Installation stellen, ist vielleicht schlicht diese: Wie können sie vermeiden, dass die App beispielsweise verrät, wer wen angesteckt hat, oder dass ein Arbeitgeber weiß, ob ein Stellenbewerber infiziert ist?

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