Chrome als Online-Shop: Google browst voran

Mit einem eigenen Laden für Online-Software will Google den PC-Markt aufmischen. Er erinnert stark an Apples iTunes-Store fürs iPhone und iPad, funktioniert aber anders.

Seltsam uninspiriert: Chrome Web Store. Bild: screenshot google

Der Netzkonzern Google hat mit dem Verkauf von Internet-Anwendungen begonnen. Dazu startete der Konzern am Dienstagabend mit dem Chrome Web Store eine eigene Plattform, die in den firmeneigenen Browser Chrome integriert ist. Der Software-Shop erlaubt das Herunterladen von Programmen, die dann innerhalb von Chrome aktiviert werden können und sich wie "echte" Anwendungen verhalten sollen.

Auf den ersten Blick dürfte der Chrome Web Store vielen Nutzernbekannt vorkommen. Optisch erinnert das zunächst auf den US-Markt ausgerichtete Angebot sehr stark an Apples in iTunes-Shop für iPhone und iPad. Blogger wie der Apple-Experte John Gruber lästerten denn auch: "Der Chrome-Laden hat ein sehr innovatives Design: Die Bestseller-Listen sind auf der linken statt auf der rechten Seite."

Das Angebot unterteilt sich in kostenlose und Bezahl-Programme. Wo bezahlt werden muss, ähneln die Preise denen im App Store. Kurz nach Start verkaufzte sich eine Kinderlieder-Jukebox am besten, für die der Hersteller rund 2 (1 Euro 50) Dollar verlangt, Platz zwei belegte eine ebenso teure Lernsoftware. Die Installation sei "sicher, einfach und in einer Sekunde erledigt", wirbt Google.

Auf einer Pressekonferenz in San Francisco erläuterten Manager den für Google neuen Ansatz, Web-Anwendungen nun auch zu verkaufen. Man wolle es Nutzern erleichtern, Angebote im Netz zu entdecken und Anbietern von Inhalten helfen, ihre Produkte zu "monetarisieren". Für den Endnutzer dürfte das anfangs schwer verständlich bleiben: Warum sollte er etwa eine "New York Times"-Chrome App kaufen, wenn er zum Besuch der Zeitung einfach nur in der Eingabezeile "nytimes.com" eintippen muss?

Google ficht das nicht an: Apps hätten viele Vorteile, etwa die Möglichkeit, eine Zeitung offline zu lesen. Zudem soll es dank verbesserter Technik möglich sein, auch grafisch anspruchsvolle Spiele im Browser zu nutzen.

Neben dem Chrome Web Store soll es in einigen Monaten auch erste Geräte geben, die allein mit einem Webbasierten Betriebssystem laufen, das auf dem Chrome-Browser aufsetzt. Google nennt diese Technik "Chrome OS". Sie wurde bereits im Juli 2009 groß angekündigt, danach blieb es zunächst reichlich ruhig. Am Dienstag gab es neue Details. Der Start hängt von Hardware-Herstellern ab, die Geräte für Google bauen sollen. Einen "Google-Computer", von dem zuvor unter IT-Bloggern die Rede war, wird es nicht geben.

Interessierte Firmen und Entwickler sollen Chrome OS-Prototypen erhalten, zum Beispiel Netbooks, eventuell auch Tablett-Computer, die speziell an das Betriebssystem angepasst werden sollen. Daran habe die Industrie großes Interesse, so Google bei der Vorstellung. Wer kein Experte ist, wird Chrome OS nicht einfach herunterladen und installieren können; dafür werden spezielle PCs benötigt. Zu den ersten Anbietern von Chrome-OS-Rechnern sollen Samsung und Acer gehören, auf dem US-Markt ankommen soll das System in der ersten Jahreshälfte 2011.

Google hat mit Chrome OS einstrategisches Problem. Ab Frühjahr 2011 soll eine neue Version des Smartphone-Betriebssystems Android - Codename: "Honeycomb" - auf den Markt kommen, das speziell für Tablett-Computer angepasst wurde und erstmals Apples iPad direkte Konkurrenz macht. "Honeycomb"-Anwendungen werden keine reinen Web-Apps sein, sondern speziell für die Plattform entwickelte Programme. Da es erste Hardware-Hersteller gibt, die erwägen, Android auch auf Netbooks zu verwenden, stellt sich die Frage, wie lange sich das Interesse am lange verzögerten Chrome OS hält.

Google-Manager Sundar Pichai betonte, ein Chrome OS-Rechner sei "das Web", wohingegen Android als mobiles Betriebsystem in eine andere Richtung weise. Google wolle beide Ansätze weiterverfolgen, denn es sei gut, eine Auswahl zu haben.

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