Neues Online-Netzwerk von Google?: Mehr Freunde mit "Google +1"

Google hat es bislang nicht geschafft, ein erfolgreiches soziales Netzwerk hochzuziehen. Nach den Versuchen mit "Buzz" und "Orkut" soll nun ein neuer Anlauf her.

In die Jahre gekommen und vom Nutzer kaum angenommen: Googles Orkut. Bild: screenshot orkut / google

Das Internet-Unternehmen Google plant einen neuerlichen Versuch, das weltgrößte soziale Netzwerk Facebook anzugreifen. Wie der gut informierte US-amerikanische IT-Nachrichtendienst "TechCrunch" am Samstag berichtete, soll das Projekt auf den Namen "Google +1" hören, auf Deutsch: "Google plus eins".

"+1" könnte für eine Funktion des geplanten Dienstes stehen, mit der man Nachrichten an Freunde weiterleitet oder Dinge im Netz "mag", wie man dies bereits von dem "Like"-Feature bei Facebook kennt. Nach Angaben von "TechCrunch" soll auch Firmengründer Sergey Brin bei "Google +1" involviert sein, was für die hohe hausinterne Bedeutung des Projektes spricht.

Gerüchte, dass Google einen neuen Social-Networking-Versuch starten würde, halten sich bereits seit mehreren Monaten. Bislang liefen sie stets unter dem Codenamen "Google Me"; ob daraus nun einfach nur "Google +1" wurde oder ob es sich um ein gänzlich neues Projekt handelt, ist bislang unklar.

Geplant sind laut "TechCrunch" unter anderem eine eigene Smartphone-Anwendung für iPhone und Android, die gleichzeitig mit der Web-Version starten soll. Ebenfalls in den Startlöchern stünden eine Gruppenfunktion namens "Loop", bei der der Nutzer entscheidet, wer "in the loop" ("drin") und "out of the loop" ("draußen") ist, sowie weitere Vernetzungselemente, die man bereits von Facebook kennt. Das weltgrößte soziale Netzwerk soll über Googles Pläne frühzeitig informiert gewesen sein, weswegen es bereits im Oktober mit besonderer Dringlichkeit eine eigene verbesserte Gruppenfunktion freischaltete.

Noch ist nicht bekannt, wann "Google +1" startensoll. Google-Gründer Brin soll die Arbeiten am Projekt in ein eigenes Gebäude verlagert haben, das derzeit unter dem Status "Lock Down" stehe, also nur von Projektbeteiligten betreten werden darf. Neben Brin soll Google-Manager Vic Gundotra die tägliche Arbeit an "Google +1" leiten, der zuvor 15 Jahre bei Microsoft arbeitete und zuletzt unter anderem an Android und Googles Social Media-Projekten werkelte.

Googles Initiativen im Bereich der Online-Netzwerke reichen weit in die Vergangenheit zurück. Bereits 2004 startete der Internet-Riese Orkut - eine Idee des Programmierers Orkut Büyükkökten. Das Produkt orientierte sich an frühen Netzwerken wie Friendster, die mittlerweile drastisch Marktanteile verloren haben. Orkut ist heute nur in einzelnen Staaten wie Brasilien und dem Iran bedeutsam, in den meisten Ländern dagegen nahezu unbekannt.

Google Wave, eine Art E-Mail-Nachfolger mit Community-Elementen, scheiterte nach nicht einmal anderthalb Jahren im August 2010 komplett und soll nun außerhalb Googles als Open-Source-Projekt weitergeführt werden. Zuletzt brachte Google im vergangenen Februar Buzz an den Start, einen auf dem erfolgreichen E-Mail-Dienst Google Mail aufsetzenden Twitter-Konkurrenten. Nach einigen Problemen, unter anderem beim Datenschutz, ist es ruhig um den Dienst geworden - einen Wachstumsboom wie bei Twitter oder Facebook gab es nie.

Google hat jedoch gute Gründe, seine Social-Media-Initiativen fortzuführen. Immer mehr Datenverkehr verlagert sich in Netzwerke wie Facebook, die Google dann nicht oder nur schwer erfassen kann. Die Suche des Online-Riesen bildet nicht mehr das gesamte Internet ab und wird weniger relevant. Zudem wandern Werbekunden zu Facebook und Co. ab, weil sie dort potenziell eine genauere Zielgruppe erreichen können.

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