: China hat es eilig mit dem Kapitalismus
Bei den WTO-Beitrittsverhandlungen drängt Peking auf eine schnelle Einigung – trotz vieler offener Fragen
BERLIN taz ■ Zu „positiven Fantasien“ ließen sich erst einmal nur die Börsianer verleiten, als die chinesische Delegation gestern Mittag mit Vertretern der WTO zusammentraf, um die letzten Hindernisse für den Beitritt Chinas in die Welthandelsorganisation aus dem Weg zu räumen. Viele Anleger nahmen die mit dem erfolgreichen Abschluss verbundenen Gewinnaussichten für chinesische Unternehmen bereits vorweg, sodass die entsprechenden Werte an den asiatischen Börsen zum Teil mächtig zulegten. Die Teilnehmer an der Runde zeigten sich erheblich vorsichtiger. Es sei „zu optimistisch, zu erwarten, dass das Beitrittsprotokoll in dieser Woche fertig wird“, hieß es.
Dabei ist der Durchbruch bereits im vergangenen Jahr geschafft worden. Im Mai 2000 hatten sowohl die Europäische Union als auch die USA mit bilateralen Handelsabkommen beziehungsweise der Bestätigung „permanent normaler Handelsbeziehungen“ die Voraussetzungen für die Aufnahme Chinas geschaffen. Das Abkommen mit der EU beinhaltet etwa die Senkung der chinesischen Einfuhrzölle auf Autos und andere Güter aus dem EU-Raum sowie die Öffnung der Telekommunikationsbranche für ausländische Beteiligungen von bis zu 49 Prozent. China darf sich laut Vertrag auf feste Einfuhrtarife und ausländische Investitionen freuen.
In einer ersten gemeinsamen Runde im Dezember einigten sich dann Vertreter der 136 WTO-Mitgliedstaaten und Chinesen in fünf von insgesamt elf verbliebenen Schlüsselpunkten. Die restlichen sechs stehen nun auf der Tagesordnung. Zu klären ist noch, wann und wie Peking die Subventionen für Landwirtschaft und Industrie auslaufen lässt, wie die staatliche Führung mit Zahlungsbilanzkrisen umgeht oder wie sie den Dienstleistungssektor zu öffnen gedenkt.
Die Zeit drängt vor allem für die chinesische Delegation selbst, die nun zu Hause endlich einen Erfolg vorzeigen will, nachdem es schon im Dezember nicht geklappt hatte. Verhandlungsführer Long Yongtu zeigte sich gestern denn auch weniger skeptisch als die WTO-Vertreter und erklärte, man könne sich auf die Hauptpunkte konzentrieren und die „technischen Details“ später klären. BEATE WILLMS
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