: Castor und Constor
Genehmigungsverfahren für atomare Zwischenlager: Krude Informationspolitik des Atombehälter-Bauers GNB
GUNDREMMINGEN/GORLEBEN taz ■ Einwänder gegen die drei geplanten atomaren Zwischenlager in Bayern sind auf eine brisante Information gestoßen. In die Lagerhallen unter anderem in Gundremmingen sollen Atomtransportbehälter eingelagert werden, die es noch gar nicht gibt, von denen also niemand weiß, welche Sicherheit sie bieten (taz von gestern). Besonders problematisch sei, so der Physiker Wilfried Attenberger von der Uni Augsburg, dass die Öffentlichkeit nur jetzt im Genehmigungsverfahren angehört wird.
Auch wenn es deshalb also wichtig gewesen wäre, sie mit möglichst aussagefähigen Informationen zu versorgen, war es nicht einfach, von der Castor-Herstellerfirma GNB (Gesellschaft für Nuklear-Behälter) zu erfahren, was es mit den nicht getesteten Atommüllbehältern vom Typ Castor Vc und Constor X/69 auf sich hat. GNB-Sprecher Jürgen Auer erklärte zunächst, für Gundremmingen sei nur die Einlagerung des gängigen Modells Castor V/52 geplant. Die monierten Castor Vc und Constor X/69 seien gar nicht beantragt, jedenfalls stehe davon nichts im Sicherheitsbericht.
Nachdem die taz die Planskizzen aus den Antragsunterlagen an die GNB gefaxt hatte, fiel Auer dann aber auf, dass es „doch eine Zeichnung vom Constor X/69“ gab. Der Castor V/52 sei „erprobt, zugelassen und schon mehrfach zum Einsatz gekommen“. Darüber hinaus seien weitere Behälter beschrieben worden, „die Weiterentwicklungen darstellen, bei denen die Prüfverfahren aber noch nicht abgeschlossen sind“. Man werde das in der nächsten Zeit weiter prüfen.
Der Typ Constor X/69, so der GNB-Sprecher, sei für den russischen und litauischen Mark entwickelt worden. Die unter anderem für Gundremmingen beantragte Behälterversion X/69 sei eine „Weiterentwicklung“.
Auers Erklärung für die seltsame GNB-Informationspolitik: Wenn man ein Zwischenlager beantrage, „möchte man seiner Bevölkerung natürlich ein umfassendes Bild geben, welche Behälterypen in Frage kommen könnten, was ja nicht heißt, dass diese Behältertypen auch tatsächlich zum Einsatz kommen“. Man habe die Schublade geöffnet und die Planungen auf den Tisch gelegt. Keine Rede davon, dass das nicht ganz freiwillig geschehen war.
Auch die Einwänder hatten erst auf Nachfrage erfahren, dass der Constor X/69 noch nicht erprobt ist. Anders als beim Castor Vc war davon nämlich in den Planungsunterlagen nichts enthalten, ärgert sich Raimund Kamm vom Verein „Energiewende atomkraftfreies Schwaben“.
KLAUS WITTMANN
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