Cardinals vs. Steelers im Super Bowl: Parvenü gegen Rammbock

Die Arizona Cardinals sorgen für die größte Überraschung der NFL-Geschichte, qualifizieren sich für die Super Bowl und treffen auf die Pittsburgh Steelers.

Große Konfettiparty: Cardinals-Coach Ken Whisenhunt und Quarterback Kurt Warner. Bild: dpa

Als das Konfetti aus dem trüben Himmel regnete, als das Unglaubliche geschafft war, dröhnte - wie gewöhnlich - der ewige Klassiker von Queen durchs Stadion in Phoenix. "We Are the Champions", sang Freddy Mercury, aber so recht konnte niemand glauben, dass die Gastgeber eben tatsächlich die Philadelphia Eagles 32:25 geschlagen und erstmals in ihrer Geschichte das Endspiel der National Football League (NFL) erreicht hatten. Selbst einer der dafür Hauptverantwortlichen staunte: "Arizona Cardinals und Super Bowl in ein und demselben Satz", so Quarterback Kurt Warner inmitten des Jubels, "was sagt man dazu?"

Man war sich schnell einig: Die Cardinals sind die größte Überraschung in der 43-jährigen Geschichte der Super Bowl. Niemand hatte das Team aus dem Wüstenstaat auf der Rechnung. Das lag zum einen an der langen und bewegten Vereinsgeschichte, die zwar bereits 1898 in Chicago begann und den Klub über St. Louis bis nach Arizona führte, aber ansonsten von erstaunlicher Erfolglosigkeit geprägt war; zum anderen an dem Eindruck, den das Team in der bisherigen Saison hinterlassen hatte: Mit nur neun Siegen bei sieben Niederlagen rutschte man nur eben so in die Play-offs.

Nun fehlt dem krassen Außenseiter aber nur noch ein Sieg zur Meisterschaft. Dass die Cardinals am 1. Februar im NFL-Endspiel in Tampa gegen die - dann wieder hoch favorisierten - Pittsburgh Steelers antreten dürfen, das haben sie vor allem Larry Fitzgerald zu verdanken. Der 25-jährige Wide Receiver mit den langen Dreadlocks hat sich in den Play-offs zum Schrecken der gegnerischen Abwehrspieler entwickelt. In den bislang drei K.-o.-Spielen fing er die Pässe seines Quarterbacks Kurt Warner mit atemberaubender Sicherheit. 419 Yards und fünf Touchdowns stehen in nur drei Play-off-Spielen zu Buche. Das hat nicht einmal der legendäre Jerry Rice geschafft, der diese Rekorde bisher hielt. Und Fitzgerald kann diese Marken sogar noch einmal verbessern - in der Super Bowl.

Dort allerdings dürfte es ihm nicht so leicht gemacht werden wie am Sonntag gegen die Eagles. Denn die Steelers, die Endspielgegner, verfügen über die beste Abwehr der NFL, was das Team beim 23:14-Halbfinalerfolg gegen die Baltimore Ravens wieder unter Beweis stellte. Das Spiel war im Vergleich zu dem fröhlichen Hin und Her, das in Phoenix aufgeführt wurde, eine grimmige Abwehrschlacht, in der die Offensivkünstler nur unter großen Schmerzen Raumgewinn zustande brachten. Kein Wunder, denn Baltimore lag in der Defensivstatistik direkt hinter Pittsburgh auf Platz zwei.

Der bezeichnende Moment des Aufeinandertreffens der beiden gefürchteten Abwehrreihen kam vier Minuten vor dem Abpfiff: Steeler-Safety Ryan Clark warf sich mit voller Wucht in den heranstürmenden Ravens-Running-Back Willis McGahee. Nachdem die Helme der beiden gegeneinandergekracht waren, taumelte Clark benommen vom Feld. McGahee aber blieb bewegungslos auf dem Rasen liegen und musste zehn Minuten lang behandelt werden, bevor er in die Katakomben gefahren wurde. Untersuchungen ergaben immerhin, dass McGahee keine bleibenden Schäden davontragen wird.

Solch ein radikaler Umgang mit der Gesundheit des Gegners erwartet auch die Cardinals. Doch angesichts ihrer sensationellen Siegesserie platzen die Cardinals mittlerweile vor Selbstbewusstsein. Selbst als sie gegen die Eagles wenige Minuten vor Schluss eine deutliche 24:6-Halbzeitführung verspielt hatten, "haben wir uns nicht verrückt machen lassen", so Fitzgerald, "alle blieben konzentriert, und dann haben wir das Ding zugemacht".

Ins Endspiel gegen Pittsburgh wird Arizona dennoch als noch krasserer Außenseiter gehen als in die bisherigen drei Play-off-Begegnungen. "Glaubt doch sowieso jeder, dass wir verlieren", weiß auch der schwergewichtige Abwehrspezialist Darnell Dockett, "also können wir uns entspannen und einfach spielen." Und vielleicht wird Freddy Mercury dann noch einmal für die Cardinals singen.

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