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Budenzauber um den Roland

■ Nur Samstags-Sonne auf dem Internationalen Bremer Sommer '93

Am Freitag tropfte es traurig ins Bier und auf die internationalen Spezialitäten. Der „Internationale Bremer Sommer '93“ begann mit typisch bremischem Schmuddelwetter und die Budenbetreiber konnten den ersten Tag ankreuzen, an dem sie ihre Platzmiete für wenig Kunden und kalte Füße zahlten.

Am Samstag wurde dagegen an der Front der portugiesischen Stockfischbällchen, der japanischen Sushis und mexikanischen Tacos hart gearbeitet, denn es war ein Bilderbuchwetter für das kulturell-kulinarische Unterhaltungsprogramm am Marktplatz. Kinder ließen sich die Gesichter bemalen, vor dem Roland schnappte sich der Gaukler Daniel Burly die Mitspieler für seine komische Straßenshow aus dem Publikum, und weil fast jede Bude ihrer eigene Schallberieselung hatte, roch und klang es an jeder Ecke anders.

Die Livemusik, die auf der kleineren Rolandbühne gespielt wurde, etwa am Vormittag die lunch live Salonmusik oder am Abend die bolivianische Folklore von Inti Punchai, ging in diesem Durcheinander von Konservenmusik, Gesprächen am Biertresen und normalen Straßengeräuschen unter, aber dies schien nicht einmal die Musiker weiter zu stören.

Mit viel Korn und Trara mußte ein dreißigjähriger Hagestolz die Domtreppen fegen, und im Gang zur Böttcherstraße versuchten zwei Geiger sich zu übertönen: eine Marionette mit Vollplayback und ein Straßenmusiker, der ebenfalls mit orchestraler Verstärkung aus dem Cassettenrekorder fiedelte.

Auf der Kirchhofbühne direkt neben den Bremer Stadtmusikanten gab es dann am Abend einen Auftritt, der viele Besucher so fesselte, daß sie fast zwei Stunden lang ohne Bier, Wurst oder Fischbrötchen stehenblieben und zuhörten. Diesen ultimativen Konzerttest bestand die Gruppe Farfarello mit einer temperamentvollen Stimmungsmusik zwischen Klassik, Pop und Volksmusik. Der wilde Geiger Mani Neumann, die zwei Gitarristen, Schlagzeuger und Bassist wirkten mit ihrem instrumental gespielten Programm wunderbar altmodisch, und ihre Balladen und Tänze sowie der unverwüstliche Säbeltanz paßten zum Ambiente.

Für einige Stunden ging das Kalkül der Veranstalter voll auf: bis nach 22 Uhr war der Marktplatz voller Leben und zahlender Kunden. Dann kam wieder der Regen. Willy Taub

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