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Buchenwald

■ betr.: „Abschied von Buchen wald“ etc., taz vom 10. 4. 95

Eure Berichterstattung zum 50. Jahrestag der Befreiung von Buchenwald klammert leider viel aus, was sich dort am 8./9. April ereignet hat. [...]

Warum kommt nicht eine einzige Person des Internationalen Lagerkomitees Buchenwald Dora, der Organisation der Häftlinge, zu Wort? Warum gibt es nicht ein Zitat Ihrer Erklärungen zu diesen Themen? Im ILK sind Häftlinge aus 20 Ländern organisiert. Beim Treffen des ILK am 8. April wurde vor allem die Absicht, eine Gedenkstätte für die nach 1945 Internierten auf dem Gelände zu errichten, scharf kritisiert.

Des weiteren hat der Franzose Pierre Durand, der Vorsitzende des ILK, auf der offiziellen Gedenkveranstaltung mehrfach betont, der Widerstand lasse sich nicht spalten, und demonstrativ als Redner seinen „alten Kameraden“, den Vizepräsidenten des ILK, Emil Carlebach begrüßt. Carlebach war roter Kapo und ist Kommunist. Über all dies in der taz nicht ein Wort! Ich empfinde Eure Berichterstattung als sehr einseitig und glaube, daß viele Menschen dadurch diffamiert und verletzt werden. Zehntausende von KPD-Mitgliedern haben den Faschismus nicht überlebt, nicht weil sie mit ihm kooperiert haben, sondern weil sie ihn bekämpft haben. Philipp Stielow, Hamburg

[...] Allein der Staatsakt in Weimar durch die Betroffenheitsheuchler stand im Mittelpunkt Ihres Interesses. Die Veranstaltung auf dem Appellplatz des Lagers mit 10.000 TeilnehmerInnen, organisiert vom internationalen Lagerkomitee, waren Ihnen keine Zeile wert. Für den Widerstand im KZ haben Sie nur höhnische Seitenhiebe übrig. Ihre Zeitung kann doch noch nicht einmal in Zeiten formaler Demokratie die Kraft für ein entschiedenes Nein zum Faschismus aufbringen. [...] Die Befreiung von Buchenwald war auch dann noch eine Selbstbefreiung, wenn die Häftlinge „nur“ noch 200 schwerbewaffnete SS-Männer festzunehmen hatten.

Die Ausstellung in der Gedenkstätte, für die Sie nur lobende Worte finden, ist eine unverschämte Geschichtsfälschung. Alle Hinweise auf die, die den Faschismus an die Regierung brachten, jede Erinnerung an die, die vom KZ-System profitierten, jeder Fingerzeig auf die Kontinuitäten von Karrieren wurden aus der Ausstellung getilgt. Wir haben als kleine Gruppe versucht, eine DIN-A1- Tafel mit der Biographie des Herrn Globke in die Ausstellung einzufügen. Globke, ein Aachener Zentrumschrist, war Kommentator der Nürnberger Reichsgesetze, als hoher Beamter im Innenministerium für die besetzten Gebiete in Frankreich zuständig, wurde als Kronzeuge gegen seinen Vorgesetzten Innenminister Frick selbst entlastet und startete nach 1945 seine Karriere, die ihn schon 1949 zum höchsten Beamten der Bundesrepublik machte. Diese kleine Erinnerung an einen Schuldigen durfte nicht hängen bleiben. Unter Polizeischutz wurde das Plakat entfernt. Die Friedhofsruhe der reinen Betroffenheit war wiederhergestellt.

Darüber hätte sich ein Reporter der taz auslassen können, wenn ihm nicht die Rockschöße der Minister und Abgeordneten so entsetzlich nahe gewesen wären. Sie haben den Opfern noch mal kräftig ins Gesicht gespuckt. Erwarten Sie keinen Dank! Kurt Heiler, Vorstand des VVN

Bund der AntifaschistInnen,

Kreisverband Aachen

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