: Bremer Kunstwerke warten in Moskau
■ Erstmals wurde jetzt die Existenz von über 300 Bilder und Zeichnungen bestätigt
Erstmals haben russische Regierungsstellen offiziell bestätigt, daß wertvolle Kulturschätze aus Bremen in Rußland lagern. Sie waren nach dem Zweiten Weltkrieg als Kriegsbeute in die Sowjetunion gebracht worden. Wie die „Komsomolskaja Prawda“ am Sonnabend berichtete, sollen rund 300 Zeichnungen von Rembrandt, Dürer, van Gogh, van Dyck und anderen herausragenden Künstlern in diesem November in der Eremitage in St. Petersburg ausgestellt werden. Nach dem Bericht der Zeitung war die Existenz der sogenannten Bremer Sammlung in der Sowjetunion mehr als 50 Jahre ein Staatsgeheimnis.
Die Kunstwerke lagern in Magazinen der Eremitage und anderer russischer Museen. Die Entscheidung, jetzt amtlich die Existenz zu bestätigen, sei auf der ersten Sitzung der staatlichen russischen Kommission zur Rückerstattung von Kulturgütern gefallen, die in den Wirren des Krieges in die Sowjetunion gebracht worden seien. Über eine mögliche Rückführung der Kulturgüter nach Deutschland werde vom Ministerium derzeit jedoch nicht beraten, schreibt die „Komsomolskaja Prawda“. Die Bremer Kunsthalle hofft seit mehr als zwei Jahren auf die Rückgabe des Kunstschatzes. Sie geht von 364 Originalen aus, unter denen sich Gemälde von Dürer und Goya sowie Zeichnungen und Aquarelle von Corot, Degas, Delacroix, van Gogh, Rubens und Rembrandt befinden sollen. Die Werke waren Teil eines insgesamt 4.000 Exemplare umfassenden Kunstschatzes der Bremer Kunsthalle, der 1943 zum Schutz vor Luftangriffen in ein Notdepot nach Brandenburg evakuiert worden war. Das Depot wurde 1945 von sowjetischen Truppen geplündert. Die Überreste entdeckte später der russische Offizier Viktor Baldin, der 364 der wichtigsten Werke heimlich nach Moskau schmuggelte. Baldin versteckte die Bilder dort aus Angst vor politischer Verfolgung über mehrere Jahrzehnte. Erst unter dem gewandelten innenpolitischen Klima der Gorbatschow- Ära berichtete er 1990 im sowjetischen Fernsehen über den Schatz. dpa
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