Boom-Branchen-Treff: "Der Abfallmarkt ist abgeschöpft"

Die Bundesregierung geht beim Bio-Methan von 10.000prozentigem Produktions-Wachstum. Beim Jahestreff der Branche in Bremen steht sie trotzdem in der Kritik - und nicht einmal in erster Linie wegen der Mais-Beschränkung.

Mais, wohin man schaut. Weniger hieße aber mehr Flächenverbrauch, sagt Andrea Horbelt vom Biogasverband. Bild: dpa

taz: Frau Horbelt, warum tagt der Biogas-Verband in Bremen?

Andrea Horbelt: Wir haben einen neuen Nord-Standort gesucht: Unsere Jahrestagung und die Messe fanden schon immer an wechselnden Standorten statt, damit nicht jeder immer eine weite Anreise hat.

Die Bundesregierung plant die Energiewende mit einer 10.000-prozentigen Steigerung auf sechs Milliarden Kubikmeter Biogas bis 2020. Wie wuppen Sie das?

Andrea Horbelt, 41, ist Agrar-Ökologin und Sprecherin des Fachverbandes Biogas e.V.

Diese Zahlen sind utopisch - zumal sie sich nur auf das Biomethan beziehen, das direkt ins Gasnetz eingespeist werden soll, statt Erdgas. Es freut uns natürlich, wenn die Bundesregierung aufs Biogas setzt und ehrgeizige Ziele definiert. Aber noch mehr würde es uns freuen, wenn sie etwas dafür täte, um sie zu erreichen.

Tut sie doch!

Aber nicht ausreichend. Die Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes ist längst nicht so förderlich für die Biogasgewinnung, wie sie sein müsste.

Weil sie den Energiemais-Anteil etwas begrenzt?

Unser Hauptproblem ist eher die Verpflichtung zur Wärmeabgabe: Die macht die Biogas-Erzeuger abhängig von ihren Wärmeabnehmern. Die können den Preis sozusagen auf Null setzen - weil sie wissen, dass es ohne die Wärme-Abgabe auch keine Zuschüsse fürs Gas gibt. Das führt dazu, dass die Banken sich bei der Kreditvergabe zurückhalten.

Umstritten ist Biogas wegen der Landschafts-Vermaisung.

Die Diskussion gibt es. Die sollte man allerdings manchmal auf den Boden der Tatsachen zurückführen.

Maisfelder sind real.

Drei Viertel davon sind Futtermais. Der wandert in die Tröge. Wahr ist, dass auch wir Monokulturen problematisch finden. Wir reagieren darauf beispielsweise durch unser Programm "Farbe ins Feld", das Anreize schafft, Blütenstreifen um oder sogar durch die Maisfelder anzulegen. Allerdings, je weniger Mais wir einsetzen dürfen, desto mehr Fläche verbrauchen wir - weil wir ja dann auf weniger effiziente Energiepflanzen ausweichen müssen.

Nur ist ja schon der Ansatz fragwürdig, Pflanzen zur Gasproduktion anzubauen, statt aus Abfall Energie zu gewinnen…

Dieser Markt ist aber abgeschöpft: Die meisten biogenen Abfälle werden schon genutzt. Ein bisschen Potenzial gibt es bei Gülle. Aber eine echte Steigerung ist nur mit Energie-Pflanzen möglich.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben