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■ Bonn apartVon rechter und linker Medienmacht

Viel Gutes durfte Rudolf Scharping nicht erwarten, als er sich am Dienstag abend im Studio von Sat.1 den Fragen von Hemut Markwort und Kai Diekmann stellen mußte. Der Herausforderer hätte sich wahrlich andere Interviewer gewünscht als ausgerechnet Focus-Chef Markwort sowie den als „Minnesänger des Kanzlers“ bekannten stellvertretenden Bild-Zeitungs-Chef Diekmann. Aber was tun? Wer als Politiker vor Wahlen über Benachteiligung durch „die Medien“ klagt, tut sich keinen Gefallen. Nur geborene Verlierer suchen vorsorglich Gründe für schlechtes Abchneiden.

Medienmacht zahlt sich im Wahlkampf aus. Der einflußreichste publizistische Großverbund treibt Wahlkampf für die CDU: das Imperium von Kohls Freund Leo Kirch sowie die Bild-Zeitung, das Flaggschiff des Springer-Konzerns. Die Übermacht scheint riesig.

„Minnesänger der Opposition“ muß man dagegen mit dem Hörrohr suchen. Warum ackern die SPD-nahen Medien nicht, die doch Stimmung für den Wechsel machen müßten? Über publizistische Wirkungsmöglichkeiten verfügt das linksliberale Lager allemal – nicht nur über Hamburger Wochenzeitungen und Magazine, sondern auch über Intendanten- und Chefredakteursposten. Der Zickzackkurs der Partei im Wahljahr kann allein nicht schuld sein. Für die Zurückhaltung gibt es andere Gründe. Das Selbstverständnis als kritischer Begleiter verbietet es linken Publizisten, die Augen zuzukneifen und nur noch Wahlhelfer zu spielen. Das konservative Presse lobt die Regierung, die linke legt gern den Finger in die Wunden – auch in die eigenen. Ihre Medienmacht beweist sich in der Destruktion und nicht im „Hochschreiben“. Da muß die Opposition tatsächlich besser geworden sein, wenn nun kurz vor dem 16. Oktober das publizistische Klima für den Wechsel wieder freundlicher wird. Sogar Scharpings persönliche Qualitäten werden zum journalistischen Thema.

Und die übermächtige konservative Medienmacht – manchmal wirkt die CDU- Trimmung gar nicht. Das erste hämefreie Scharping-Porträt der vergangenen Wochen erschien in Focus. Auch Sat.1 wurde Anfang der Woche bei der Befragung des Oppositionschefs seiner Rolle als Kohls Haussender nicht gerecht. Der SPD-Kandidat verkaufte sich gut – trotz Markwort und Diekmann. Um es im Stil der Bild- Zeitung zu sagen: Bitte, bitte, Sat.1: Mehr davon! Hans Monath

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