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Bob Marley

■ betr.: „Rastaman Vibration“, taz vom 6. 2. 95

Endlich werden uns die Augen geöffnet über einen Musiker, den wir in Zeiten blinder Begeisterungsfähigkeit verehrten, der uns aber eigentlich nur in „Dämmerzustände“ versetzt hat. So kommt gleich in der Ankündigung des Artikels auf der ersten Seite ein Früherleuchteter zu Wort, ein gewisser Lester Bangs, der vor 15 Jahren Opfer einer übermächtigen Lobby wurde: Seine vorausschauende Kritik wurde nicht gedruckt.

Der Artikel von Dietrich Roeschmann räumt nun endlich mit der Legende auf. Wir wissen jetzt, Bob Marley hat ja nur so getan, der war gar kein Rebell, der hat sich einfach von Chris Blackwell von Island Records verführen lassen, sein Geld genommen, sich einfach vermarkten lassen und uns, die wir kleine, unschuldige Rebellen waren, dazu verführt, zu glauben, das wäre schon Rebellion [...].

Oft schon wurde behauptet, daß die Musik Bob Marleys sich geändert hätte, seit er anfing, an dem Kulturbetrieb der reichen Welt zu partizipieren und Einlaß fand in den erlauchten Kreis der Stars. Ich denke, seine Musik hat sich wirklich geändert, verlor etwas von dem Charme der Ursprünglichkeit, der einfachen Instrumentierung, dem rauheren, etwas scheppernden, gewissermaßen ungehobelten Klang, den nicht produzierte Musik an sich hat. Trotzdem blieb es eine sehr eigene Musik, wurde nie zum Schlager, zur toten Studiomusik, entwickelte sich nur mit den neuen Möglichkeiten, die sich durch die Island Studios ergaben.

Die Musik und die Kunst einer ganzen Generation von Stars, alle heutigen kulturellen Großverdiener, einschließlich aller Künstler der Moderne, denen Ruhm und Reichtum zu Lebzeiten zuteil wurde (van Gogh hatte Glück, kurz vorher zu sterben), würden unter dem Knüppel von Herrn Roeschmanns Hauptargument ein trauriges Dasein fristen. Ihrer aller Mythos und Weltsicht wurde vom Markt überholt, wird jetzt gepflegt, es wird abgeschöpft, wo immer Zeitgeist und klassische Moderne ins Museum kommen, wo immer Stars auftreten.

Nun soll aber der Reichtum und Erfolg gerade diesen Drittweltler verdorben, aus seiner Kunst einen „volkskompatiblen Mythos“ gemacht haben? Wenn im Volk eine Sehnsucht nach nicht fremdbestimmtem Leben, nach Mystik und Naturnähe, kurz, nach einer anderen Art zu leben wirklich lebendig ist, mag die Musik Bob Marleys tatsächlich „volkskompatibel“ sein. Wären wir doch so ein Volk! Sebastian Walter-Lilienfein,

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