Bloggen gegen die Zensur: Man stirbt nur einmal

Vier Journalisten aus vier Ländern erklären die Bedeutung von Blogs für die Pressefreiheit. Alle vier schreiben gegen staatliche Repressalien an.

Blogger-Treffen auf der re:publica in Berlin. Bild: dpa

Alle vier sind Blogger, alle vier sind dafür bekannt und alle vier kommen aus bevölkerungsreichen Ländern, in denen die Meinungs- und Pressefreiheit keine Selbstverständlichkeit ist. Was Michael Anti (alias Zhao Jing, China), Farnaz Seifi (Iran), Rustem Adagamoc (Russland) und Rosana Hermann (Brasilien) aber besonders miteinander verbindet, ist ihre gemeinsame Leidenschaft. Ihre Überzeugung und ihre Zuversicht, dass man kämpfen muss. Gegen Zensur und Propaganda.

Die vier Blogger waren am Mittwoch bei der re:publica - der "Konferenz über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft", um über die Bedeutung von Blogs in Ländern mit eingeschränkter Pressefreiheit zu diskutieren. Sehr unterschiedliche Sichtweisen hatten sie nicht. Waren sich doch alle einig, dass Blogs die Möglichkeit bieten, Informationen direkt und ungefiltert zu veröffentlichen.

Wenn auch mit dem ein oder anderen feinen Unterschied: So seien in Russland hauptsächlich die traditionellen Medien wie Fernsehen und Zeitungen im Visier der "Zensurbehörden", in Blogs hingegen könne man noch recht frei schreiben, sagte der russische Blogger Adagamoc. "Wir bewegen uns aber nicht in Richtung Freiheit, im Gegenteil! Die Kontrolle wird noch mehr zunehmen."

Zhao Jing, der unter dem Namen Michael Anti in China bloggt, sieht in seinem Land hingegen, dass es langsam Verbesserungen gibt. Im Jahr 2005 wurde sein Blog noch von Microsoft aus dem Netz genommen. Jetzt sieht er vor allem in Microblogs eine Chance für die Pressefreiheit in China: "Auf Twitter ist 100 Prozent Meinungsfreiheit gewährleistet, es ist einfach zu viel Information - die Regierung schafft es technisch noch nicht, alle Accounts zu durchsuchen. Und du kannst im Netz nicht zweimal sterben: Als mein Twitteraccount gesperrt wurde, hatte ich 3.000 Leser - jetzt habe ich über 20.000." Im Iran geht es bekanntermaßen besonders streng zu, was Kritik am Staat anbelangt.

Systematische Kontrollen

Farnaz Seifi, Journalistin und Bloggerin, hat den Unmut der iranischen Behörden auch schon selbst sehr deutlich zu spüren bekommen: die Frauenrechtlerin wurde 2007 zusammen mit Kolleginnen verhaftet, als sie zu einem Seminar nach Indien reisen wollten. "Das iranische Regime kontrolliert systematisch und völlig legal alle Medien, es gibt keine Kritik in den klassischen Medien.

Das Internet hatte daher schon immer eine enorme Bedeutung für uns. Vor den letzten Wahlen im Sommer 2009 spielten besonders die sozialen Netzwerke eine große Rolle bei der Mobilisierung der Opposition, die Internetuser waren die eigentlichen Journalisten. Danach hat sich alles noch mehr verschärft und nun werden auch die sozialen Netzwerke wie Facebook gefiltert und durchsucht." Farnaz Seifi lebt mittlerweile in den Niederlanden und bloggt von dort. Ihren Humor hat sie behalten: "Es würde mich nicht wundern, wenn in Teheran an der Uni bald ein Masterstudiengang für Zensur angeboten wird."

In Brasilien ist die Beschränkung der Pressefreiheit etwas subtiler. Das Fernsehen sei eine Art Meinungsmonopol, erklärt Rosana Hermann. "Alle Nachrichten werden wie Seifenopern aufbereitet, entweder lächerlich oder überdramatisch, und das Image von Politikern wird filmreif wie nach Skript inszeniert. Wir müssen uns in Brasilien von der Idee der Mediengurus lösen, die uns alles eintrichtern. Die Menschen sind sich ihrer Macht durch das Internet noch nicht bewusst. Das muss gestärkt werden", meint die berühmte Bloggerin aus Südamerika.

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