: Blockierer mußten sich nackt ausziehen
■ Nach AKW-Blockade zwang die Polizei zum Striptease / Polizei: Menschenwürde wurde gewahrt / Offizielle Entschuldigung
Berlin (taz) - Mit einer offiziellen Entschuldigung reagierte gestern der Leiter der Schutzpolizei Höxter Manfred Sparrer auf schwere Vorwürfe der TeilnehmerInnen an einer Blockade des Atomkraftwerk Würgassen am vergangenen Mittwoch. Mitglieder der „Gewaltfreien Aktionsgruppen“ hatten berichtet, vier Personen seien willkürlich aus der Menge der 150 BlockiererInnen herausgegriffen worden und hätten sich anschließend in der Polizeidienststelle Höxter „wie Terroristen oder Rauschgifthändler nackt ausziehen“ müssen.
Nach Angaben der Polizei verlief die Blockadeaktion vor dem Atommeiler Würgassen „relativ friedlich“. Die TeilnehmerInnen der angemeldeten Aktion hätten sich vor einen Ausgang gesetzt. Zu den Festnahmen von zwei Männern und zwei Frauen sei es dann gekommen, als diese Fahrzeuge behindert hätten. Zu dem Vorwurf, die vier Personen seien willkürlich herausgegriffen worden, sagte der Leiter der Schutzpolizei, Manfred Sparrer: „Die Teilnehmer hatten beabsichtigt, daß sie wegen Nötigung angezeigt werden.“
Zur Personalienfeststellung und „Beweissicherung“ wurden die Festgenommenen abtransportiert nach Höxter. Die Leiterin der Gefangenensammelstelle habe die Entkleidung angeordnet mit der Begründung, so Sparrer wörtlich, „man weiß ja nie, wer da reinkommt und ob die Waffen tragen“.
Allerdings sei die Menschenwürde geachtet worden, da die Festgenommenen sich nicht in der Wache, sondern in „nicht einsehbaren Umkleidekabinen“ ausziehen mußten. Obwohl der Leiter der Schutzpolizei die Maßnahme für „überzogen“ hält, bestritt der Beamte einen „Ermessensmißbrauch“. Insofern sei also nicht mit einem Disziplinarverfahren zu rechnen.
Unterdessen kündigte das nordrhein-westfälische Innenministerium an, den dubiosen Vorfall zu überprüfen. Nur in Ausnahmefällen sei es zulässig, daß Festgenommene sich ausziehen müßten. Diese Ausnahmefälle konnte die Polizei vor Ort nicht benennen.
peb
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