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Blinde Kuh in Sachsen-Anhalt

■ Telefonat von Scharping sorgt im Kandidaten-Karussell für Verwirrung

Berlin (taz) – „Halt dich bereit“, sprach der Bundesboß persönlich zu seinem Parteikollegen Ernst Schwanhold. Rudolf Scharping rief den Osnabrücker SPD-Bundestagsabgeordneten extra in Washington D.C. an, um ihn zum neuen Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt zu krönen. Das war Dienstag vergangener Woche. Schwanhold brach seine Dienstreise sofort ab – und bat um einen Tag Bendenkzeit.

Aber da funkte sofort der widerborstige SPD-Landesfürst dazwischen – der noch ungekrönte Reinhard Höppner.

Die Hannoversche Allgemeine Zeitung hatte Anfang dieser Woche gemeldet, daß Schwanhold der neue sachsen-anhaltinische Wirtschafts-Chef wird. Aber kaum saß Schwanhold auf dem Kandidatenkarussell, dementierte die Noch- nicht-Regierung. Die Meldung sei „falsch“. Auch der im selben Artikel erwähnte Wolgang Schulze aus Bad Münder werde es nicht. Er ist Vorsitzender des niedersächsischen Wirtschaftsausschusses. Keiner von den beiden Wessis wird's – ätschibätsch.

Von den Ungereimtheiten zwischen der Bundes- und Landes- SPD wollen die Pressesprecher von Höppner und Scharping nichts gehört haben. Hat Ernst Schwanhold etwa nur geträumt, daß er Minister werden soll? Warum sollte er dann um eine Bedenkzeit bitten? Eine Sprecherin des SPD- Vorsitzenden kontert vorwurfsvoll: „Ein Gespräch wie dieses findet immer unter vier Augen statt.“

Reinhard Höppner von der Magdeburger SPD spielt derweil weiter das Blinde-Kuh-Spiel. Der designierte Landesfürst, der sich wird dulden lassen müssen, strapaziert die Geduld der Öffentlichkeit. Und zeigt, daß er trotzdem der Voll-Chef ist. „Wir haben den neuen Wirtschaftsminister schon“, ließ er verlauten, „aber den Namen rücken wir nicht raus.“ Ernst Schwanhold wäre ja bereit gewesen, das Amt anzutreten. Aber nach Höppners Absage tut er es seinem Gönner Scharping gleich – er fährt in Urlaub. Sven Christian

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