Bewegungs-Kolumne 11.01.2018

Angst vor dem „schwarzen Dealer“

Ein Bündel von Veranstaltungen widmet sich dem Komplex von Drogenhandel, Rassismus und Repression in Berlin. Außerdem: Das Darknet als Schutzraum gegen politische Verfolgung?

Mutmaßliche Drogenverkäufer reagieren auf Berlin-typische Art auf eine Razzia im Görlitzer Park Bild: dpa

von TORBEN BECKER

Im November 2017 wurde die sogenannte Nulltoleranzzone im Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg aufgehoben, der Konsum und Besitz von Cannabis also wieder erlaubt. Der Verkauf bleibt strafbar. Berlin werde dadurch etwas toleranter, berichtete der Tagesspiegel. Diese Toleranz wird jedoch eher den Konsumierenden entgegengebracht.

Sündenböcke in der Debatte über Drogenverkäufe sind allzu oft Geflüchtete. Drogendeals im weitgehend gentrifizierten Herzen Kreuzbergs werden häufig nicht sozioökonomisch erklärt, sondern rassistisch verklärt. Vor diesem Hintergrund bekommt das Wort Nulltoleranzzone eine andere Bedeutung.

Die Ausstellung „Andere Heimaten. Herkunft und Migrationsrouten von Drogenverkäufern in Berliner Parks“, die noch bis zum 14. Januar im FHXB Museum zu sehen ist, möchte die Diskussionen über Verkauf und Konsum von Drogen versachlichen und Stigmatisierungen des „schwarzen Drogendealers“ aufbrechen. Im thematischen Radius dieser Ausstellung finden in dieser Woche zwei Veranstaltungen rund um die Themen Rassismus, informelle Arbeit und Kriminalität statt. Heute diskutieren dazu im Rosa-Luxemburg-Salon mit Dr. Andrea Kretschmann, Kriminalsoziologin (HU-Berlin), verschiedene Gäste die Sichtbarkeit und Drogenkriminalität in Berlin. | (11. 1., 19 Uhr, Franz-Mehring-Platz 1, Friedrichshain)

Thematisch daran anschließend wird am Sonntag anlässlich der Finissage der oben genannten Ausstellung mit Vertreter*innen des Parkrats und des Stadtrats diskutiert und die Frage gestellt, was rassistische Stigmatisierungen in den öffentlichen Debatten verdecken. | (14.1.,17 Uhr, Adalbertstraße 95A, Kreuzberg)

Zwischen diesen beiden Veranstaltungen können Sie am Freitag etwas über einen weiteren Raum erfahren, der ebenfalls häufig mit Drogenverkauf assoziiert wird: dem Darknet. Ist die Diskussion über anonymisierte Netznutzung und der Verbindung des digitalen Umschlagsplatzes für Drogen damit bereits erschöpft? Bei Weitem nicht: Dem Darknet, dessen Seiten nur mit dem sogenannten Tor-Browser geöffnet werden können, kommt eine immense politische Dimension zu.

Tor-Seiten können weder gelöscht noch blockiert werden und eignen sich beispielsweise für Leaks jeglicher Art – ein alternativer Informationsdienst sozusagen, der einen digitalen Raum abseits staatlicher Zugriffe eröffnet. Ob das Darknet als Gegenmodel zum Internet taugt, untersucht Stefan Mey am Freitag in einem Vortrag über die Landschaft des politischen Darknet und gibt eine verständliche Einführung in die Funktionsweise der Anonymisierungstechnologie Tor. | (12.1., 19 Uhr, Kopenhagener Str. 9, Prenzlauer Berg, Eintritt 2€)