: Bewag-Solo
■ Bewag bereitet jetzt schon Bau der Hochspannungsfreileitung durch Spandau vor
Ist die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), die die Bewag zur Zeit für die von ihr geplante Hochspannungsleitung durch Spandau vornimmt, nur ein „Alibi“? Diesen Verdacht äußerte gestern der Spandauer SPD-Abgeordnete Behrendt. Nach seinen Informationen führt die Bewag bereits Verhandlungen mit den Eigentümern von Grundstücken, über die die Freileitung geführt werden soll. Behrendt sieht darin eine Vorentscheidung. Denn das Ergebnis der Prüfung, ob eine Verkabelung der 380-Kilovolt-Leitung nicht umweltverträglicher wäre als der Bau einer Freileitung, wird erst im Oktober vorliegen. Die Leitung wird, wie berichtet, ab 1992 für den Import von Strom - größtenteils Atomstrom aus Westdeutschland benötigt.
Bewag-Sprecher Möller bestätigte gestern nur „Gespräche“ mit Grundstückseigentümern. Regelrechte Verhandlungen hätten noch nicht begonnen, versicherte Möller. Wegen der Grundstücke für eine Kabeltrasse führt die Gesellschaft allerdings keine Gespräche. Möller: „Wir favorisieren ja die Freileitung.“ Eine Vorentscheidung seien die „Gespräche“ jedoch nicht.
Mehr als die Hälfte der betroffenen Grundstücke werden allerdings vom Spandauer Bezirksamt verwaltet. Das Amt hat nach Auskunft von Baustadtrat Jungclaus (SPD) Gespräche mit der Bewag verweigert, solange die UVP nicht abgeschlossen ist. Die Bezirkspolitiker plädieren für eine Kabellösung. Sie fürchten nicht nur um das Spandauer Stadtbild, sondern auch um die Gesundheit der Menschen, die in der Nähe der Trasse oder unter ihr wohnen und arbeiten sollen. Nach der taz vorliegenden Plänen der Bewag würde die Freileitung Kleingärten und eine Gartenarbeitsschule in Hakenfelde sowie Gärten und einen Campingplatz in Haselhorst direkt überspannen. Mehrere Betriebe, darunter die BMW-Werke, würden ebenfalls unter die Stromtrasse geraten. Für den „Daueraufenthalt“ empfehlen anerkannte Wissenschaftler jedoch einen Abstand von 15 Metern von der Leitung, um Gesundheitsschäden durch elektrische Felder zu vermeiden.
Behrendt bezeichnete allerdings gestern auch den von der Bewag bemessenen Prüfungszeitraum für die UVP als „viel zu kurz“. Er erscheine selbst den vorgesehenen Gutachtern als „völlig unzureichend“, erklärte Behrendt. Der SPD -Abgeordnete vermißt außerdem eine Beteiligung der Öffentlichkeit an der UVP, wie sie selbst von der Bundesregierung in einem neuen Gesetzentwurf künftig vorgesehen ist.
hmt
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