: Besser Nazis hinter Gitter
■ Israelische Proteste gegen den Honecker-Prozeß
Tel Aviv (taz) — Der israelische „Verband der Antifaschisten und Opfer des Nazismus“ hat gegen die Inhaftierung des ehemaligen DDR- Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker protestiert. In einem Schreiben an Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger und an Bundeskanzler Kohl kritisiert der Verband die Kriminalisierung Honeckers „wegen angeblicher Straftaten, welche er in Ausführung seines Amtes als Staatsoberhaupt eines weltweit anerkannten Staates und im Einklang mit den Gesetzen jenes Staates begangen haben soll.“ Mit Blick auf Honeckers politische Vergangenheit während der Nazizeit heißt es: „Wir ehemaligen Widerstandskämpfer und Opfer des Naziregimes können nicht vergessen, daß Erich Honecker, lange bevor er Staatsoberhaupt der DDR wurde, wegen seiner politischen Tätigkeit im Antinazi-Untergrund zehn Jahre in den Kerkern der Nazis schmachten mußte.“ Der Verein fordert die Einstellung des Verfahrens gegen Honecker und seine sofortige Freilassung aus der U-Haft. Das Schreiben endet mit dem Satz: „Bringen Sie besser die vielen Naziverbrecher hinter Gitter, die in Ihrem Land noch frei herumlaufen und ihr Unwesen treiben!“
Auch die Knesset-Fraktion der „Demokratischen Front für Frieden und Gleichberechtigung“ sandte ein Telegramm an Kanzler Kohl, in dem die sofortige Freilassung Honeckers und eine Einstellung des Ermittlungsverfahrens verlangt wird. Amos Wollin
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