: Beschäftigungssicherung geht vor
■ Tarifabschluß beim Stahl: 35-Stunden-Woche ab 1. Mai
Gelsenkirchen (AFP) – Für die 120.000 Beschäftigten der Eisen- und Stahlindustrie in Nordrhein- Westfalen, Niedersachsen und Bremen haben Arbeitgeber und IG Metall einen neuen Tarifvertrag ausgehandelt, mit dem weitere Entlassungen verhindert werden sollen. Danach wird die 35-Stunden-Woche für alle Beschäftigten bereits zum 1. Mai dieses Jahres eingeführt, elf Monate früher, als bislang vereinbart. Die Monatseinkommen bleiben unverändert. Zum Ausgleich für das Vorziehen der 35-Stunden-Woche werden die Jahressonderzahlungen dieses Jahr auf 76 Prozent eines durchschnittlichen Monatseinkommens gekürzt, 1995 steigen sie wieder auf 93 Prozent. Die Einigung erfolgte nach 14stündigen Gesprächen in der Nacht zum Samstag.
Die IG Metall hatte bei diesen Verhandlungen erstmals keine Einkommenserhöhungen gefordert, sondern nur Maßnahmen zur Arbeitsplatzsicherung. Der neue Tarifvertrag hat eine Laufzeit von zwölf Monaten. Um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden, kann die wöchentliche Arbeitszeit durch freiwillige Betriebsvereinbarungen auf bis zu 32 Stunden gesenkt werden. Außerdem wurden Möglichkeiten zur Ausweitung von Teilzeitarbeit und längerer unbezahlter Freistellung vereinbart. Für Beschäftigte der unteren Lohngruppen gibt es nach Angaben der IG Metall eine soziale Komponente. Auszubildende werden nach erfolgreicher Abschlußprüfung für mindestens sechs Monate übernommen, bei hüttenspezifischen Berufen für ein Jahr. Abweichungen von dieser Regelung sind laut IG Metall bei Vermittlung in einen anderen Betrieb oder mit Zustimmung des Betriebsrates möglich.
IG-Metall-Verhandlungsführer Schartau betonte, dieses Verhandlungsergebnis habe den Zielen den Weg geebnet, Beschäftigung zu sichern, betriebsbedingte Kündigungen in der Stahlindustrie weiter zu vermeiden und Auszubildenden nach ihrer Prüfung eine Perspektive zu geben.
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