Berlins bestbenoteter Lehrer: "Ich hatte in Mathe auch nur eine 3"

Heino Blumenthal ist angeblich der beste Lehrer Berlins. Seine Schüler benoten ihn bei Spickmich.de mit 1,3. Er findet, Lehrer, die dort schlechte Noten bekommen, sollten sich Gedanken machen.

taz: Herr Blumenthal, Sie sind der beste Lehrer Berlins. Ein Zeugnis voller Einsen - hatten Sie als Schüler auch so gute Noten?

Heino Blumenthal: Nein, ich habe mein Abitur mit 3,2 am Humboldt-Gymnasium in Tegel gemacht. Ich wollte Lehrer werden und wusste, dass der Numerus Clausus für mich keine Rolle spielt. Da habe ich neben der Schulzeit das schöne Leben genossen und mich nicht sonderlich angestrengt. Ich hatte in Mathe auch nur eine 3.

Jetzt unterrichten Sie Mathematik und Sport. Warum wollten Sie Lehrer werden?

Ich hatte damals eine Klassenlehrerin, deren Art des Unterrichts ich sehr merkwürdig fand. Er bestand darin, gemeinsam in einem Schulbuch zu lesen und wichtige Sachen zu unterstreichen. In der nächsten Stunde musste dann ein durch "Los" ermittelter Schüler erzählen, was am Stoff der vorigen Stunde wichtig war. Da dachte ich: das müsste man doch eigentlich besser machen.

Was genau machen Sie denn anders und besser als Ihre Kollegen?

Das ist ganz schwer zu sagen. Ich bin ein Lehrer, der mit den Schülern auf Augenhöhe arbeitet. Ich akzeptiere sie mit allen ihren Schwächen und ihrem Können. Sie akzeptieren mich, wie ich bin. Ich gebe auch mal Fehler zu und versuche, auf die Probleme der Schüler einzugehen. Nebenbei habe ich ganz viel Kontakt mit meinen Schülern. Abends, wenn mein Rechner an ist, schreiben sie mich schon mal über Chat-Programme an. Ich habe übers Internet schon mit ihnen Matheaufgaben durchgerechnet und ihnen Tipps gegeben, wenn sie nicht weiter kamen.

Engagieren Sie sich auch außerhalb des Unterrichts für Ihre Schule?

Ich bin schon seit vielen Jahren Vertrauenslehrer, war auf Fahrten der Schülervertretung dabei und organisiere jedes Jahr die Wintersportreise unserer Schule. Lange Zeit habe ich außerdem die Fußballmannschaft unserer Schule trainiert.

Ist Spickmich bei Ihnen im Lehrerkollegium ein großes Thema?

Ich weiß, dass die meisten Lehrer unserer Schule dort benotet werden. Es gibt relativ viele Lehrer, die das ignorieren. Andere Kollegen gucken sich das aber auch an. Ich bin schon von Kollegen angetroffen worden, die dann meinten: "Boa, jetzt hast du mich übertroffen."

Was halten Sie persönlich von der Möglichkeit, auf Spickmich Lehrer online zu bewerten?

Für mich ist es natürlich leicht zu sagen, dass es toll ist, weil ich gut bewertet bin. Aber es gibt andere Länder, in denen Lehrer regelmäßig Zeugnisse bekommen. Ich weiß, dass es ganz viele Kollegen gibt, die das nicht so gerne haben und die nicht so gerne gesagt bekommen, dass sie vielleicht einige Sachen besser machen könnten. Aber ich finde das ganz gut. Wenn da steht, dass die Benotung nicht fair ist, dann sollte man sich als Lehrer doch Gedanken machen und mit seinen Schülern darüber reden.

Glauben Sie, dass die Schüler ihre Pauker im Großen und Ganzen fair benoten?

Naja, Rache ist sicherlich nicht auszuschließen. Aber ich räche mich ja nur an dem, von dem ich mich ungerecht behandelt fühle. Ganz wichtig ist, dass die Schüler das Gefühl haben, gerecht behandelt zu werden. Ich bin der Letzte, der zu den Schülern immer Ja und Amen sagt. Wenn sie Mist bauen, dann kriegen sie ihre Strafen, dann werden sie ausgeschimpft, dann wird das besprochen, dann gibt es Konsequenzen. Es bringt überhaupt nichts, einer zu sein, der immer total locker ist und dem alles total egal ist. Jeder Schüler, der etwas angestellt hat, erwartet, dass er eine Strafe bekommt. Aber die Strafe muss gerecht sein.

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