Berliner Szenen: Im Zug
Erich und die Ufos
Ich hab es mir gemütlich gemacht im Zug. Meine Tasche auf den Nachbarsitz, die Jacke darauf. Jahrelanges Pendeln zwischen der brandenburgischen Provinz und Berlin geben mir das Recht auf Platz, auch wenn der Zug voll wird. Sollen andere den Nachbarsitz frei machen.
Ich lese das neue Horst Evers Buch. Darin landet am Tag der feierlichen Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg ein riesiges Ufo auf dem Gelände und zerstört alles wieder.
Die Frau, die gegenübersitzt, sieht vertrauenswürdig aus. Als ich von der Toilette zurückkomme, nicke ich ihr freundlich zu. „Ich fahre nach Eberswalde“, beginnt sie in der Annahme, dass ihr Aufpassen auf meine Sachen ihr das Recht gibt, jetzt mit mir Konversation zu betreiben. Ich sage gar nix, nicke nur, vielleicht hört sie ja auf. „Wir treffen uns da, meine ganze Familie. Mein Bruder, meine Schwester, sogar mein Vater kommt. Wir haben uns lange nicht gesehen“. – „Hmm“, brumme ich und befürchte Schlimmstes. „Ist ja toll, wie sie das jetzt alles mit dem neuen Bahnhof hier am Ostkreuz gemacht haben. Ich war schon lange nicht mehr hier.“ Die Frau hat ein seltsam verträumtes Lächeln, gleichzeitig schaut sie ein wenig ängstlich. Sie beugt sich zu mir rüber: „Wissen Sie, es ist so schade, meine Tochter kann bei dem Treffen nicht dabei sein. Sie ist jetzt 14. Vor vier Jahren haben sie sie mir weggenommen.“
Ich weiß jetzt gar nicht mehr, wie ich gucken soll. Betreten? Mein Hirn versucht alles einzuordnen, aber sie spricht schon weiter: „Sie haben ja ein lustiges Buch da! Sind das Ufos? Also ich glaube ja an Ufos! Kennen Sie Erich von Däniken? Der hat ja viel darüber geschrieben. Die Linien von Nazca sind ja von Außerirdischen gemacht worden.“
„Alles außer irdisch“ heißt mein Buch. Es hat fliegende Spiegeleier auf dem Cover. Ich würde es jetzt gern weiterlesen.
Elke Eckert
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