Berliner Szene: Beim Koreaner
Mund voller Kimchi
Wir trafen uns in dem koreanischen Restaurant, das aussieht wie eine Opiumhöhle. Ich kann den Laden nicht ausstehen, das hatte ich ganz vergessen. Die Bedienung war ein bisschen irre. Nach zehn Sekunden stand sie an unserem Tisch und wollte die Bestellung aufnehmen. Wir hatten noch unsere Jacken an und die Karte noch nicht mal angerührt.
Das nächste Mal, als sie auftauchte, riss sie mir fast den Teller weg. Ich musste ihn festhalten, den Mund voller Kimchi. Wir redeten über das MacBook, das Carlo gerne hätte. Ellen sagte, warum Apple. Ich versuchte ihr zu erklären, dass ich Windows für übergriffig hielt. Das stritt sie ab. Aber du hast doch selber gar keins, wandte ich ein. Ich dagegen hatte gerade zwei Wochen mit einem Windoof-Rechner hinter mir. Alle paar Minuten poppte eine Statusmeldung auf: „Sie sind gefährdet.“ Es war schon wieder komisch. Daher mein Rat an Carlo, sich lieber ein MacBook zu kaufen. Ellen behauptete prompt, das sei Quatsch. Ich sagte, sie wisse gar nicht, wovon sie rede. Sie leerte ihr Weinglas, warf mir einen 50-Euro-Schein hin und ging.
Während ich weiter lustlos den faden Eintopf löffelte, beobachtete ich eine der jungen Frauen, die in dem Restaurant arbeiten. Sie war keine zwanzig, androgyn, kurzes schwarzes Haar. Ein älterer Typ kam herein, ein Lieferant. Mit seinem Strickpullover sah er aus wie ein freundlicher Herr, der sich in eine Opiumhöhle verirrt. Er wollte irgend etwas loswerden, aber die Frau wollte nicht. Es war wohl ein Versehen, ein Fehler bei der Bestellung. Er versuchte, es mit Humor zu nehmen, aber sie sah ihn nur kühl an und ließ ihn stehen.
Ich zahlte mit Ellens 50 Euro und fuhr nach Hause. Ich schwor mir, nie wieder einen Fuß in den Laden zu setzen. Ich hoffe bloß, ich vergesse es nicht wieder.
Sascha Josuweit
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