■ Beratung statt Lösungen: Selbstlob
Immer mehr Fälle von Kindesmißhandlungen werden bekannt. Darüber äußert sich Staatssekretär Klaus Löhe (SPD) besorgt. Der Anstieg ist in der Tat erschreckend, selbst wenn die Anrufe beim Kindernotdienst nur ein Indiz sein können. Daß Eltern nicht zufällig brutaler oder herzloser geworden sind, weiß der zweite Mann der Senatsverwaltung für Jugend und Familie genau. Er schreibt von „sozialen Spannungen“, die auf die Familien durchschlagen, und von „materiellen Mangelsituationen“, also Armut. Über Gewalt nachdenken sollen laut seiner Erklärung aber genau jene Eltern, denen er ohnehin Überforderung attestiert.
Der Senat jedenfalls habe seine Schuldigkeit getan: „Inzwischen hat jeder Berliner Bezirk Familienberatungsstellen.“ Daran gibt es nichts zu kritisieren, Unterstützung ist fraglos wichtig. Jedoch kann sie nur vorletztes Instrument vor den ebenso unumstrittenen Krisendiensten sein; lange davor müßten Konzepte erarbeitet werden, die jene Probleme angehen, aus denen die Gewaltbereitschaft erwächst. Darüber verliert der Staatssekretär jedoch nicht ein Wort. Offensichtlich beschränkt er die Aufgaben der Jugend- und Familienpolitik darauf, Menschen zu helfen, sich mit ihren Sorgen abzufinden und konfliktfrei mit ihren Problemen zu leben. Dabei hätte es seiner Verwaltung deutlich besser zu Gesicht gestanden, sich angesichts der alarmierenden Gewaltzunahme etwa für eine wirksame Arbeitsmarktpolitik einzusetzen, für eine Sozialpolitik, die Spannungen reduziert, statt Kluften zu vertiefen. Christian Arns
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