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Beitrag zur Entkolonisierung

■ Das Namibia-Projekt (Bremen / Windhoek) stellt sich vor

Das Namibia-Projekt an der Universität Bremen ist in die langjährigen Bemühungen um die Vorbereitung Namibias auf die Unabhängigkeit eingebettet. Es wurde im Jahre 1975 von der namibischen Befreiungsbewegung SWAPO angeregt und nach einer gründlichen Vorbereitungsphase mit Unterstützung von terre des hommes an der Universität eingerichtet. Das Projekt hat drei Schwerpunkte: Erziehung, Dokumentation und Recht.

Erziehung: In enger Zusammenarbeit mit den namibischen PartnerInnen wurden für den Einsatz in den Exilschulen zahlreiche Unterrichtsmaterialien für die sozial- und gesellschaftskundlichen Fächer erstellt. Im vom Südafrika besetzten Namibia wurden die meisten der Materialien, „gebannt“ (d. h. sie durften nicht verwendet, gekauft und zitiert werden). Ziel des Namibia-Projekts war es von Anfang an, einen Beitrag zur Entkolonisierung Namibias zu leisten. Um zur Aufbauarbeitung der deutschen Kolonialvergangenheit beizutragen und den Unabhängigkeitsprozeß in Namibia zu unterstützen, wurden u. a. zwei Bücher mit grundlegenden Informationen zu Gegenwart und Geschichte und zu den Perspektiven für das unabhängige Namibia, ein Roman eines Namibiers, und eine umfangreiche Tonbildschau zur Geschichte Namibias herausgegeben.

Dokumentation: Es wurden eine umfangreiche Bibliothek und Zeitungsausschnittssammlung und eine Datenbank zur bibliographischen Erfassung der zu Namibia vorhandenen Literatur (sie kann als die umfangreichste ihrer Art gelten), und zur Katalogisierung der namibischen Ortsnamen aufgebaut.

Recht: Bis zur Unabhängigkeit wurden die in Namibia gültigen Gesetze datenbankmäßig erfaßt. Die als rassistisch einzustufenden Gesetze wurden in einer speziellen Liste erfaßt. Mit ihrer Hilfe sollte die von der UNO-Sicherheitsrats-Resolution 435 geforderte Identifizierung und Abschaffung der rassistischen Gesetze ermöglicht werden. Es wurden u. a. eine vergleichende Sammlung von Gesetzestexten aus dem Südlichen Afrika, eine Liste von Menschenrechtsverletzungen in Namibia, und eine Zusammenstellung von Hintergrundinformationen und Richtlinien für die Wahlbeobachter bei der Namibia-Wahl 1989 publiziert. Bei der Arbeit an der Verfassung Namibias war das Projekt beratend, bei einzelnen Gesetzesentwürfen durch unmittelbare Mitarbeit beteiligt.

“Namibia-Watch“ in Bremen: Um die anstehenden Probleme zu bewältigen, braucht Namibia internationale Unterstützung. Deutschland ist dabei besonders gefordert. Das Wissen um Namibia ist aber in der Bevölkerung nach wie vor gering. Den großen Worten der deutschen Politiker anläßlich der Unabhängigkeitsfeiern sind bisher keine entsprechenden Taten gefolgt. Afrika droht infolge der gewandelten politischen Verhältnisse vom Tisch des weltpolitischen Interesses gewischt zu werden. In der Rolle eines „Namibia-Watch“, einer Art unabhängige Namibia-Beobachterstation, sollen die Entwicklungen in und zu Namibia solidarisch und kritisch begleitet werden. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit sollen das Interesse am unabhängigen Namibia wachgehalten und die solidarische Unterstützung des jungen Staates gefördert werden.

Infos: CAS, Zentrum für Afrika-Studien, Referat Öffentlichkeitsarbeit, c/o Uni Bremen (GW 2, FB 6), Postfach 330440, 2800 Bremen 33, Tel: 0421/218-4035 oder 218-2387.

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