Berliner Szenen: Beim Bier
Buffen gehen
„Heute Mittag buffen?“, schreib ich Viron. So nenne ich urbanes Werfen eines Basketballs in einen Korb. Obwohl die Jungs fanden, dass es sich wie eine vulgäre Bezeichnung für etwas anderes anhört oder wie „verprügeln“.
Im 1-Euro-Shop auf der Hermannstraße soll es Strohhüte für einen Euro geben. Ich greife einen von ihnen vom Tisch mit den Vuvuzelas und Fähnchen. Das Hutband national. Als ich ihn skeptisch drehe, wirft mir die Verkäuferin rüber: „Die Kunden sagen, das geht leicht ab!“
Mit dem Buffen wird es dann doch nichts. Aber der Hut schützt bei der Pflege des amerikanischen Lebensstils: Mittags Besichtigung des Wurstsonderpostenmarktes, dann ein Softeis bei Ikea und Besuch der Kirche der Tempelritter, Basketball im Gepäck.
Beim abendlichen Bier sitzen wir neben einer Runde stiernackiger Männer. Ich verstehe kein Wort, erahne aber eine gepflegte Unterhaltung. Viron bestätigt: „Die kommen sicher aus dem exjugoslawischen Raum. Mit den Sprachen habe ich mich mal beschäftigt, also eigentlich hatte ich eine Liste der wichtigsten Beschimpfungen. Davon ist bisher kein Wort gefallen.“ Später sagt er, ein Freund aus Serbien habe allerdings keine der Beschimpfungen gekannt. Ich bitte um ein Beispiel: „Ich ficke die erste Reihe deiner Beerdigung!“
Carsten erzählt, dass einem befreundeten Amerikaner mal gesagt wurde, „Du doppelstöckige Quarktorte!“ sei das Schlimmste, was man einem deutschen Mann sagen könne. Plötzlich beginnt Evelyn eine SMS ihres Exfreundes vorzulesen: „Arabische Männer auf den Straßen. Vor drei Wochen noch Scharia und nun mit Sterni unterwegs.“ Sie fragt fassungslos: „Was soll man dazu sagen?“ Mein Vorschlag: „Ich ficke die erste Reihe deiner Beerdigung, du doppelstöckige Quarktorte!“– oder vielleicht: buffen.
Antonia Herrscher
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