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doppelblindBegehrte Genschere

Wem größte Ehre zuteil wird, dem muss noch lange keine Gerechtigkeit widerfahren. Diese Erfahrung bleibt auch jenen zwei Forscherinnen nicht erspart, die im vorvergangenen Jahr den Nobelpreis für Chemie bekamen – für die Entwicklung der revolutionären Genschere Crispr-Cas.

Das molekulare Werkzeug erlaubt in ungekannter Präzision Veränderungen im Erbgut aller Lebewesen. Es gilt als große Hoffnung in der Behandlung schwerer Krankheiten und für die Züchtung von Nahrungspflanzen, die den Folgen des Klimawandels standhalten. Obwohl die US-Chemikerin Jennifer Doudna und die Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier zweifellos die Entdeckerinnen und Entwicklerinnen der neuen Technik sind, und das enorme Potenzial der Schere auch als erste in einer Studie belegen konnten, haben sie den Patentstreit um ihre Genschere nach sieben Jahren jetzt verloren.

Die Firmen der Forscherinnen und ihrer Mitstreiter müssen für die Anwendung ihrer eigenen Erfindung, insbesondere im Rahmen medizinischer Therapien, möglicherweise nun Millionensummen an Lizenzgebühren zahlen, und zwar an die Gewinner des Patentstreits, das Broad Institute in Cambridge, Massachusetts. Der dort forschende Gentechnik-Experte Feng Zhang hatte knapp ein halbes Jahr nach der ersten Veröffentlichung der Crispr-Pionierinnen gezeigt, dass sich die neue Genschere in Maus- und menschlichen Zellen sehr präzise nutzen lässt. Doudna und Charpentier hatten die Funktion ihrer Schere zwar an DNA gezeigt – allerdings nicht in Zellen. Bildlich gesprochen hatten sie gezeigt, dass ihr Hammer einen Nagel in Holz einschlägt. Feng Zhang, dass er daraus einen Tisch bauen kann.

An der Entwicklung der Genschere war Zhang in keiner Weise beteiligt, doch für das US-amerikanische Patentamt spielt dieser Umstand keine Rolle. Wie das Broad Institute mitteilte, sei aus dem „Reagenzglas-Experiment“ von Doudna und Charpentier nicht der logische Schluss zu ziehen gewesen, dass die Schere auch in menschlichen Zellen funktionieren würde.

Sieben Jahre währte der Patentstreit

Das jedoch tut sie, und zwar so gut, dass die von Doudna mitgegründete Firma Intellia Therapeutics am Montag einen medizinischen Durchbruch verkünden konnte: Erstmals ist es gelungen, mit Crispr-Cas direkt im Blutkreislauf von Pa­ti­en­t:in­nen eine schwere, erblich bedingte Krankheit erfolgreich zu bekämpfen. Ob die Erfinderinnen weiter um ihr geistiges Eigentum streiten werden, ist noch offen. Beobachter gehen aber davon aus, dass sie jetzt direkt mit dem Broad Institute verhandeln müssen. (zint)

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