piwik no script img

berliner szenenBananensaft mit Tochter im Berghain

Ich habe mir nie darüber Gedanken gemacht, wie DJ-Kinder aussehen, jetzt kenne ich eines. „Daniel, weißt du, im Berghain gibt’s Bananensaft mit Schlagsahne!“ Leo steht vor mir. New-York-Yankees-­Basecap auf dem Kopf, Filzhausschuhe von Giesswein an den Füßen und Tomatensauce um den Mund. „Lass mich raten, aber nur für dich?“ Leo nickt und strahlt mich an. Er ist bestimmt nicht das einzige DJ-Kind in Berlin, aber er ist das einzige, das ich kenne. Immer, wenn ich Ida aus der Kita abhole, quatscht er mit mir.

Leo ist ein Jahr älter als Ida, er ist fünf, und kommt nächstes Jahr in die Schule. „Legt Papa heute Abend wieder auf?“, frage ich. „Abba klar“, sagt Leo. „Abba? Dancing Queen? Im Berghain?“ Leo lacht und schüttelt den Kopf. „Nein. Computermusik. Ohne Stimmen. Nur so Wellen und Schleifen und Schatten. Weißt du doch.“ Ich glaube, Leo ist der einzige Fünfjährige, mit dem ich Abba-Witze machen kann.

Ida hat mich entdeckt und kommt in die Garderobe gerannt.„Komm doch mal zusammen mit Ida“, sagt Leo. „Ich setz euch auf die Gästeliste und sag Sven Bescheid, dann winkt er euch durch.“ Ida springt mir an den Hals. „Wohin mit?“, fragt sie. „Ins Berghain“, sagt Leo. „Ist das so ein Tobeladen?“ Ida hängt jetzt kopfüber an mir. „Ja. Aber mit Musik. Und die macht mein Papa.“

„Cool.“ Ida macht eine Rolle. „Und wer ist Sven?“

„Mein Freund. Der steht an der Tür.“

„So wie der Einlasser beim Spatzenkino?“ Leo nickt. „Und uns winkt er durch?“ Leo nickt wieder. „Im Berghain gibt’s sogar Bananensaft mit Schlagsahne.“

Ida sieht mich an. „Darf ich so was trinken?“

„Spricht nichts dagegen“, sage ich. „Dann will ich ins Berghain, Papa!“ Also gut, denke ich, ich bin ja dabei. „Heute Abend?“, frage ich Leo. „Abba klar“, sagt Leo und grinst. Daniel Klaus

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen