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Bakterien und MethanWarum der Waldboden noch besser fürs Klima ist als gedacht

For­sche­r*in­nen fürchten, dass Waldböden wegen des Klimawandels immer weniger Methan aufnehmen können. Doch eine Studie zeigt das Gegenteil.

Die Bakterien wandelten über die vergangenen Jahre mehr Methan um, nicht weniger Foto: Henricus Lüschen/imago

Nirgendwo bauen Bakterien mehr Methan ab als in Waldböden. Das macht diese Böden sehr wichtig für die Stabilisierung des Klimas, denn eine Tonne Methan in der Atmosphäre erhitzt die Erde 30-mal stärker als eine Tonne CO. Wenn die Bakterien in Waldböden also weniger Methan abbauen, bleibt das Gas länger in der Atmosphäre und treibt den Klimawandel stärker voran als ohnehin schon.

Die meisten Studien deuten darauf hin, dass diese Gefahr real ist: Die Bakterien brauchen Sauerstoff, um Methan in das weniger klimaschädliche CO umzuwandeln – je mehr Luft im Boden ist, desto besser. Der Klimawandel sorgt aber dafür, dass es häufiger heftig regnet. Dann werden die Poren im Boden kleiner, die Luftzufuhr sinkt und die Bakterien können weniger gut Methan umwandeln. Andere Bakterienarten, die Methan produzieren, kommen hingegen gut ohne Sauerstoff klar und stoßen munter weiter Methan aus.

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Die Studie

Nun ist zwar wissenschaftlich belegt, dass der Klimawandel es stärker regnen lässt, weil wärmere Luft mehr Wasser speichern kann. Aber das heißt nicht unbedingt, dass es ausgerechnet in Wäldern heftiger regnet – erst recht nicht in Wäldern in gemäßigten Breiten, wo Bodenbakterien am effektivsten Methan umwandeln. Da setzt eine Studie deutscher For­sche­r*in­nen an. Sie haben an sechs Orten in Baden-Württemberg bis zu 24 Jahre lang gemessen, wie viel Methan der Waldboden bindet.

Dafür haben sie neben den langjährigen Messungen mit Rohren im Boden für kürzere Zeit Kammern zur Gasmessung auf den Boden gesetzt, um die langjährigen Messungen zu überprüfen. „Methodisch ist das sehr gut“, sagt Friederike Lang, Bodenökologie-Professorin an der Universität Freiburg. Sie war nicht an der Studie beteiligt. „Die Untersuchung ist wirklich einzigartig, es gibt selten über so lange Zeit kontinuierlich erhobene Messwerte.“

Das Ergebnis: Die Bakterien wandelten über die vergangenen Jahre mehr Methan um, nicht weniger. Durchschnittlich nahmen die untersuchten Waldböden jedes Jahr 3 Prozent mehr Methan auf als im Vorjahr. Den Stu­di­en­au­to­r*in­nen zufolge liegt das wahrscheinlich vor allem daran, dass Niederschlag in den Wäldern seltener und die Böden dementsprechend trockener wurden – gute Bedingungen für die Methan verwertenden Bakterien. „Dazu kommt, dass immer mehr Methan ausgestoßen wird, also verarbeiten die Bakterien auch mehr“, sagt Co-Studienautorin Verena Lang, die nicht mit der Professorin verwandt ist.

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Was bringt's?

Dass Waldböden weltweit eher mehr als weniger Methan aufnehmen, lässt sich aus den Studienergebnissen nicht ableiten. Aber für einige Regionen schon: „Ich würde erwarten, dass man das an mehr Standorten beobachten kann, wo es trockener geworden ist, in Brandenburg zum Beispiel“, sagt Professorin Friederike Lang.

Die Studienautorin Verena Lang sagt: „Das ist entscheidend für die Treibhausgasbilanzierung. Normalerweise wird in jedem Bundesland mit einem einzigen Wert berechnet, wie viel Methan Waldboden aufnimmt.“ Diesen Wert müsse man sich genau angucken, vielleicht werde er unterschätzt.

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