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Autonome Polizei

■ Eigenmächtige Knüppel-Aktion bei Hamburger Friedensdemo

Die Auseinandersetzungen bei der norddeutschen Friedens -Demonstration am Donnerstag abend vor dem Hamburger Rathaus wurden von Polizeieinheiten ausgelöst, die selbständig agiert haben. Dies belegen Mitschnitte des Polizeifunks, die der taz gestern zugespielt worden sind. Die Einsatzleitung war über das Vorpreschen einiger „Festnahmezüge“ auf den Rathausmarkt nicht informiert.

Die Demonstration der 10.000 Friedensfreunde war zunächst friedlich verlaufen, obwohl die Polizei mehrfach über Lautsprecher angekündigt hatte, den „revolutionären Block“ mit rund 500 TeilnehmerInnen herauszutrennen. Doch als Leuchtspurmunition auf die Nato-Beflaggung des Rathauses abgeschossen wurde, kam es zu einer fast einstündigen Straßenschlacht. Auf die Frage der taz, wie es zu erklären sei, daß Polizisten hinter der Absperrung noch seelenruhig dem Treiben folgten, während auf dem hinteren Teil des Rathausmarktes bereits heftige Schlägereien mit DemonstrantInnen tobten, meinte Landespolizeichef Otto -Werner Müller spontan: „Einige Einheiten haben selbsttätig die Strafverfolgung aufgenommen.“

Das deckt sich auch mit den Funkprotokollen. Bereits um 20:52 Uhr hieß es dort: „Wir brauchen Verstärkung, schnell nach vorne, womöglich verletzter Kollege.“ Doch die ersten Wurfgeschosse waren tatsächlich erst um 21:05 Uhr geflogen. Im Funk hieß es: „Polizeikräfte werden beschossen, das Pflaster wird aufgerissen.“

Kai von Appen

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