Autoindustrie: Volvo vor Verkauf
Ford bestätigt Pläne, sich von seiner schwedischen Tochter trennen zu wollen. Ein möglicher Käufer stammt aus Russland.
STOCKHOLM taz Der Autokonzern Ford hat erstmals bestätigt, dass auch seine Tochterfirma Volvo zum Verkauf stehen könnte. Bis Ende des Jahres werde man entscheiden, ob die schwedische Marke das Schicksal des bereits verkauften Aston Martin und der offiziell zum Verkauf stehenden Marken Jaguar und Land Rover teilen soll. Damit würde der Versuch von Ford, sich mit einem Strauss europäischer Luxusmarken zu schmücken, endgültig begraben.
Zu einem Schnäppchenpreis von 6,5 Milliarden Dollar hatte Ford 1999 die damals schwer angeschlagene PKW-Sparte von Volvo erworben. Nach Ansicht von Marktbeobachtern ist sie inzwischen einige hundert Millionen Euro mehr wert. Der Verkauf wäre eine willkommene Finanzspritze für den mit massiven Verlusten kämpfenden Konzern. Und ein gutes Geschäft zudem: Nach Einschätzung eines schwedischen Branchenkenners hat Ford "mittlerweile alles aus Volvo herausgesaugt, was zu holen war".
Für potentielle Kaufinteressenten dürfte dieser Befund abschreckend wirken. Da bei Volvo bereits hinreichend rationalisiert und eingespart wurde, dürfte die Marke für Finanzinvestoren relativ uninteressant sein. In Schweden würde man gern eine einheimische Lösung sehen, bei der die PKW-Produktion mit der noch teilweise in schwedischer Hand verbliebenen LKW-Sparte wieder zusammengeführt würde. Doch Volvo dürfte eher zu einem PKW-Hersteller passen, der sein Repertoire mit einer Luxusmarke ausschmücken möchte. Auch wenn negativ zu Buche schlägt, dass Volvo den Trend zu "Öko"-Autos bislang weithin verschlafen hat.
Neben Renault-Nissan wird der Aluminium-Oligarch ("Rusal") Oleg Deripaska genannt, dem die russische Autofirma "GAZ" gehört. Auch ein chinesischer Autokonzern scheint als Käufer nicht undenkbar.
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen
meistkommentiert