Auszeichnung für Klima-Mahner: Al Gore erhält Friedensnobelpreis

Neben dem ehemalige Vizepräsidenten der USA wird auch der Weltklimarat IPCC für seine Arbeit ausgezeichnet. Gore will das Geld Umweltschützern spenden.

Für unbequeme Wahrheiten ausgezeichnet: Al Gore. Bild: dpa

OSLO/BERLIN rtr/ap/dpa/taz Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore erhält für seinen Kampf gegen den Klimwandel den diesjährigen Friedensnobelpreis. Auch der Weltklimarat IPCC wird ausgezeichnet. Dies teilte das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo mit. Der Preis ist mit rund 1,1 Millionen Euro dotiert und wird traditionell am 10. Dezember überreicht.

"Ich fühle mich zutiefst geehrt", sagte Gore am Freitag in Washington. "Meine Frau Tipper und ich werden das gesamte Preisgeld spenden." Empfänger soll das Bündnis für Klimaschutz in den USA werden. Es ist eine überparteiliche gemeinnützige Organisation, die sich dafür einsetzt, die öffentliche Meinung in den USA zum Klimaschutz zu verändern.

Al Gore bezeichnete es als besonders bedeutsam, den Preis gemeinsam mit dem UN-Klimarat IPCC erhalten zu haben. Die Mitglieder dieses herausragenden Gremiums setzten sich seit Jahren unermüdlich und selbstlos dafür ein, dass die Menschheit den Klimawandel besser verstehe, sagte er.

Der Weltklimarat hatte offenbar gar nicht mit einer Auszeichnung gereichnet. "Es war eine Überraschung", sagte IPCC-Sprecherin Carola Traverso Saibante in Genf. "Wir wären auch glücklich gewesen, wenn er (Gore) ihn (den Preis) alleine bekommen hätte, weil dadurch bestätigt wird, wie wichtig dieses Thema ist."

Das Nobelkomitee begründet seine Entscheidung mit den "Bemühungen zum Aufbau und der Verbreitung von mehr Wissen über den von Menschen verursachten Klimawandel und das Legen eines Fundamentes für Maßnahmen, die als Gegengewicht gegen diese Änderungen notwendig sind".

Das Nobelkomitee sieht im Klimawandel eine der großen Gefahren für die Menschheit: "Sie könnten Migrationsbewegungen in großem Maßstab und eine schärfere Konkurrenz um die Ressourcen der Erde auslösen." Der IPCC, der die Erkenntnisse von tausenden von Forschern zusammengefasst hat, habe "durch seine wissenschaftlichen Berichte in den letzten beiden Jahrzehnten einen immer breiteren Konsens auf Basis von Wissen über die Beziehung zwischen menschlichen Aktivitäten und der globalen Erwärmung geschaffen".

Al Gore hingegen sei "vermutlich der Mensch, der als Einzelner am meisten für die Schaffung eines größeren, weltweiten Verständnisses für die Maßnahmen geschaffen hat, die nun beschlossen werden müssen". Mit der Verleihung des Nobelpreises 2007 an den IPCC und Al Gore wolle "das Nobelkomitee zu größerer Aufmerksamkeit für die Prozesse und Entscheidungen beitragen, die offensichtlich notwendig sind, um das künftige Klima der Welt zu schützen und damit die Bedrohung für die Sicherheit der Menschheit zu vermindern". Und dann folgt ein Satz des Nobelpreiskomitees, der auch von Greenpeace hätte stammen können: "Handeln ist notwendig, bevor der Klimawandel für Menschen außer Kontrolle gerät."

Al Gore ist sicher der bekannteste Klimaschützer, seit er für seinen Dokumentarfilm "Die unbequeme Wahrheit" mit einem Oscar geehrt wurde. Er ist aber nicht erst vor Kurzem auf den Zug aufgesprungen. Schon auf dem Klimagipfel von Kioto zeigte er durch seine Teilnahme als Vizepräsident der USA, wie wichtig ihm der Klimaschutz war - die meisten Staaten hatte nur ihre Umweltminister geschickt. Zu einem Zeitpunkt, zu dem das Thema in den USA extrem unpopulär war. Gore gehört der Demokratischen Partei in den USA an und hatte die Vizepräsidentschaft unter Präsident Bill Clinton inne. 2000 trat er selbst als Präsidentschaftskandidat an, verlor aber im November knapp gegen den jetzigen Amtsinhaber George W. Bush, einen Republikaner.

Vor allem George Bush ist seit Jahren der große Bremser im internationalen Klimaprozess. Mit dem Dokumentarfilm "Eine unbequeme Wahrheit" hatte Al Gore (59) seinen Feldzug gegen die Klimakatastrophe vor einem Jahr auf die Leinwand gebracht. Der Film beruht auf einer Dia-Show, mit der der ehemalige amerikanische Vize-Präsident seit Jahren durch die Lande zieht. Hollywood zeichnete das Werk in diesem Jahr mit einem Oscar für den besten Dokumentarfilm aus.

Über die Leinwand flimmern Natur- und Katastrophenbilder, die Angst machen und aufrütteln sollen. Zwischendurch erläutert Gore immer neue Tabellen und Grafiken, widerlegt Argumente seiner Gegner und versucht Manipulationsversuche an Daten zu beweisen.

Gore will mit seinem Werbefeldzug möglichst viele Menschen direkt erreichen und von der Notwendigkeit überzeugen, "unsere einzige Heimat" jetzt zu retten. Dass der Politiker das Zeug zum Filmstar hat, würden nicht mal seine innigsten Bewunderer behaupten. In dem Film, unter der Regie von Davis Guggenheimaber, hat der oft hölzern wirkende Gore dennoch einen starken Auftritt.

Im vergangenen Jahr hat der Bankier Muhammad Yunus aus Bangladesch den Preis erhalten, der mit Mini-Krediten armen Familien zu einem Ausweg aus der Not verhilft. Das letzte Mal, dass ein Deutscher den Preis erhielt, war 1971 der damalige Bundeskanzler Willi Brandt.

Auf der Liste der 181 Kandidaten stand in diesem jahr auch Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl, den EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso für seine Verdienste um die europäische Einigung vorgeschlagen hat. In Kohls Amtszeit fiel zudem die Öffnung der Berliner Mauer 1989 und die Wiedervereinigung.

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