Auswirkungen des Winterwetters: Schnee sorgt europaweit für Chaos

Schnee und Eis bescheren Europa auch zum Wochenanfang massive Verkehrsprobleme. NRW verbannt Lkw von den Autobahnen und an Flughäfen sitzen Tausende fest. Besserung ist nicht in Sicht.

Da hilft nur noch Kapuze auf und ausblenden: Passagiere am Flughafen Frankfurt warten auf Wetterbesserung. Bild: dapd

LONDON/BERLIN/PARIS dpa/afp/dapd | Die Flugzeuge am Boden, die Bahnen verspätet, die Straßen spiegelglatt und Lkw teilweise von der Straße verbannt: Das Winterwetter sorgt weiter für Chaos. Wegen des anhaltenden Schneefalls haben tausende Passagiere auch die Nacht zum Montag auf Flughäfen in ganz Europa zugebracht. Mit weiteren Annulierungen am Montag ist zu rechnen. Mit einem flächendeckenden Autobahn-Verbot für Lastwagen versucht Nordrhein-Westfalen ein winterliches Verkehrschaos abzuwenden. Die Bahn muss am Morgen derzeit meist lediglich 30 Minuten Verspätung bei ihren Zügen melden.

In Heathrow (London), dem weltweit größten Drehkreuz für Passagierflüge, schlug die Stimmung unter den Wartenden am Sonntagabend mehr und mehr in Frust und Wut um, nachdem die Verwaltung vor weiteren Engpässen und Annullierungen am Montag warnte. Auf dem Pariser Flughafen Roissy-Charles de Gaulles blieben zwei der vier Rollbahnen geschlossen, Dutzende Flüge wurden gestrichen. Nach Angaben der Flughafenbehörden mussten rund 3000 Menschen die Nacht in den Terminals verbringen. Erst im Laufe des Montags sollte sich die Lage entschärfen.

Auch der Frankfurter Flughafen kündigte weitere Annullierungen an. Mit Stand vom frühen Morgen waren von den 1325 für Montag geplanten Starts und Landungen 292 Flüge gestrichen worden - also ein gutes Fünftel. Das berichtete der Flughafenbetreiber Fraport. Ähnlich ist die Lage beim Amsterdamer Flughafen Schiphol. Auf dem Brüsseler Flughafen mussten sich rund 1500 gestrandete Passagiere mit einer weiteren Nacht auf dem Fußboden abfinden. In Norditalien dagegen besserte sich die Lage auf den Straßen und den Flughäfen nach zweitägigem Chaos deutlich.

Wetterbedingte Probleme gab es auch bei den Eurostar-Zügen, die Paris, Brüssel und London verbinden. Die Regierung appellierte an die Bevölkerung in den betroffenen Regionen, nur in Notfällen das Auto zu benutzen. Probleme hatte erneut auch die Deutsche Bahn im Regional- und Fernverkehr. Die meisten Zug-Verspätungen lagen am Morgen allerdings unter 30 Minuten. Noch am Sonntag hatte die Bahn Reisende wegen der chaotischen Wetterzustände gebeten, die Züge wegen Überfüllung nicht zu nutzen.

Die gegenwärtigen Zugverspätungen bei der Deutschen Bahn sind nach Einschätzung des SPD-Verkehrsexperten Uwe Beckmeyer neben dem Wetter maßgeblich auf "dramatische Wartungsmängel" am Schienennetz zurückzuführen. Der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte Beckmeyer: "Die Deutsche Bahn ist nicht winterfest."

Vielerorts seien Gleisanlagen defekt oder keine Weichenheizungen vorhanden. "Das Unternehmen muss massiv in Personal und Anlagen investieren, anstatt weiter auf dem Rücken der Reisenden zu sparen", forderte der SPD-Politiker. Er sieht auch den Bund als Eigentümer in der Pflicht: "Momentan rächt es sich, dass die Bundesregierung die Bahn finanziell bis an die Schmerzgrenze ausgequetscht hat." Hier bedarf es dringend eines Umdenkens, sagte Beckmeyer.

Autobahn-Verbot für Lastwagen

Mit einem flächendeckenden Autobahn-Verbot für Lastwagen versucht Nordrhein-Westfalen ein winterliches Verkehrschaos abzuwenden. Die Behörden in dem bevölkerungsreichsten Bundesland mit seinen vielen wichtigen Verkehrsknoten verbannten in der Nacht zum Montag alle Lkw jenseits der 7,5 Tonnen von den Autobahnen. Damit stand die Berufskraftfahrt in NRW just zum Wochenanfang nahezu still.

Auch im übrigen Bundesgebiet hielten die Verkehrsprobleme meist an. Die schneebedingte Sperrung gelte in NRW auch für einige Bundesstraßen und werde bis auf weiteres aufrechterhalten, sagte ein Polizeisprecher in Neuss am frühen Montagmorgen. Für Köln, Aachen und Düsseldorf hatte der Deutsche Wetterdienst DWD am Sonntagabend Schneedecken jenseits der 20 Zentimetermarke gemeldet.

Für die Mittelgebirge warnten die Meteorologen vor starkem Schneefall und heftigen Schneeverwehungen. Besonders im Norden bleibe es zunächst eisig kalt, weiter Richtung Süden sei aber auch Tauwetter möglich. Neuer Schnee könne im Laufe des Vormittags besonders in Brandenburg und Sachsen zu neuen Behinderungen führen.

Die Polizeidienststellen in NRW berichteten, dass die umfangreiche Sperrung den Lkw-Verkehr in dem bevölkerungsreichsten Bundesland nahezu zum Erliegen gebracht habe. Die meisten Fahrer hätten für die Nacht Rastplätze angesteuert und harrten nun der Dinge. Nur äußerst selten hätten Kraftfahrer versucht, über Landstraßen weiterzukommen. "Die Lage ist relativ entspannt", sagte ein Sprecher in Düsseldorf. Grund für das Fahrverbot sei vor allem der Schnee und weniger die Glätte. So berichtete die Polizei am Montagmorgen, dass etwa auf der Autobahn 2 nahe Dortmund nur noch eine Spur befahrbar war.

Wann die Räumdienste für freie Fahrt sorgen könnten, sei noch nicht absehbar. Warten hieß es auch für alle Lkw-Fahrer, die mit einem Gefährt von mehr als 7,5 Tonnen nach Luxemburg oder Frankreich wollten. Nach Auskunft der Polizei Trier erließen die Behörden der Nachbarländer ein ähnliches Autobahn-Fahrverbot wie in Nordrhein-Westfalen. So wurden etwa auf der Autobahn 64 (Rheinland-Pfalz) und auf der Autobahn 8 (Saarland) die Lastwagen kurz vor der Grenze heruntergeleitet. Auch dort habe der Großteil der Fahrer Rastplätze angesteuert und sei nicht über Landstraßen weitergefahren.

Feldbett statt Hotelbett

In Berlin traf es am Montag erneut die S-Bahn: Technische Probleme mit zugefrorenen Sandstreuanlagen führten auf allen Linien zu Verspätungen - teilweise verkehrten die Bahnen im einsetzenden Berufsverkehr mit weniger Waggons nur im 20-Minuten-Takt.

Angespannt blieb die Lage auch an den meisten Flughäfen: Auf Deutschlands größtem Luftdrehkreuz Frankfurt/Main war nach einem turbulenten Wochenende nur wenig Besserung in Sicht. Am Sonntag hatten die Fluggesellschaften bis zum Abend erst knapp die Hälfte der geplanten Flüge abgewickelt. Über Nacht mussten wieder Hunderte Passagiere in Feldbetten schlafen - einige von ihnen zum dritten Mal in Folge.

Auch der Flugverkehr der beiden Berliner Flughäfen war erneut beeinträchtigt. Es gab in Tegel mehr als zehn Flugstreichungen, in Schönefeld verlief der Verkehr dagegen nahezu normal. Am Düsseldorfer Flughafen normalisierte sich die Lage. "Es ist hier recht entspannt", sagte eine Sprecherin am Morgen. Am Sonntag hatten wegen des winterlichen Wetters noch Dutzende Verbindungen gestrichen werden müssen. Nun sei Besserung in Sicht: "Nur einzelne Flüge, die gestern nicht reingekommen waren, werden ausfallen, weil jetzt die Rotation fehlt", sagte die Sprecherin.

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