■ Fehlstart: Ausgeträumt
Träume sind Schäume! Das bekommt derzeit das amerikanische Dreamteam zu spüren. Die Langeweile ist den millionenschweren Basketball-Artisten aus der NBA an der Nasenspitze anzusehen. Immer nur Golf bei brütender Hitze, zwischendrin ein paar Lockerungsübungen gegen einen Haufen schwerfälliger, hypernervöser und zudem meist schlechtbezahlter Gegner, und dann setzt dieser Coach Chuck Daly, der immer so betreten dreinschaut, als sei sein Team gerade gegen Papua-Neuguinea ausgeschieden, wegen angeblich schwacher Leistung im Viertelfinale gegen Puerto Rico auch noch ein Sondertraining an. Frechheit!
Ausgeträumt
Im Halbfinale gegen Litauen wurde dann wieder etwas konzentrierter gewirbelt, mit dem Erfolg, daß die Balten, vermutlich zweitstärkste Mannschaft beim olympischen Turnier, als erste mit einer Differenz von mehr als 50 Punkten verloren — 76:127. Da wurde wieder tief in die Trickkiste gegriffen, furios gedunkt, gedribbelt und geblockt; Pässe hinter dem Rücken, über die Schulter, aus der Hüfte; Würfe von oben, unten, hinten, vorn; alles wunderbarst anzusehen, und dennoch — der Zuschauer kann ein Gähnen schwer unterdrücken. Die ständige Repetition des Genialen wirkt auf die Dauer ermüdend, die Traumteam-Auftritte geraten zum Déjà-vu-Erlebnis der korblegerischen Art. Es fehlt einfach ein wesentliches Element des Basketball — die Spannung. Es ist, als würden die Harlem Globetrotters gegen ihre Deppen vom Dienst, die Washington Generals, spielen, oder Maradona gegen ein Dutzend Fahnenstangen. Im Grunde hätte es gereicht, die Dreams einmal gegen ein All-Star-Team der übrigen Länder antreten zu lassen, ihnen die Goldmedaille umzuhängen, Jordan und Co. in Urlaub zu schicken und im weiteren Turnierverlauf ab und zu die Aufzeichnung der spektakulärsten Aktionen einzublenden. Basketball pur, nervenkitzelnd und atemberaubend, wurde im zweiten Halbfinale demonstriert, in dem die Kroaten in den letzten 30 Sekunden einen 70:74-Rückstand gegen die GUS noch in ein 75:74 verwandeln konnten.
Zur Belohnung dürfen heute abend im Endspiel die Kroaten den Hanswurst mimen. Matti
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen