■ Mit Afrikas Landwirtschaft auf du und du: Ausgehungert
Harare (IPS) – Nach Schätzungen der UNO wächst die Bevölkerung in Schwarzafrika jährlich um über drei Prozent. Die landwirtschaftliche Produktion kann damit immer weniger Schritt halten. Auf einer Konferenz der „Globalen Koalition für Afrika“ (CGA) forderten Entwicklungsexperten in der Hauptstadt von Simbabwe die nationalen Regierungen auf, ihre Wirtschaftsprogramme grundsätzlich umzustellen.
Simbabwes Agrarminister Kumbirai Kangai gab zu, daß trotz anderslautender Deklarationen die Landwirtschaft auch in seinem Land stets benachteiligt werde, wenn es um die Zuteilung von Entwicklungsmitteln geht. Noch immer werden Industrialisierungsprojekte bevorzugt, obwohl der Agrarsektor die Grundlage der afrikanischen Volkswirtschaften ist. Dort werden im Durchschnitt 35 Prozent der Bruttoinlandsprodukte und 60 Prozent der Exporteinnahmen erwirtschaftet. Bis zu 80 Prozent der Bevölkerung arbeiten in diesem Bereich, aber sie haben kaum eine Chance, den Hunger zu überwinden. Nach Schätzungen der UNO-Ernährungsorganisation, FAO, war 1992 über ein Viertel der Menschen Schwarzafrikas unterernährt, südlich der Sahelzone ist die Lage heute schlimmer als vor 30 Jahren. Anfang der siebziger Jahre konnten noch 97 Prozent des Getreidebedarfs aus eigener Produktion gedeckt werden, heute sind es nur noch 86 Prozent. Die FAO sagt voraus, daß sich die Getreideimporte bis zum Jahr 2000 mehr als verdoppeln werden.
Sie werden das Problem nicht lösen. Die einheimische Landwirtschaft leide an veralteten Anbaumethoden, meint Minister Kangai, der Exekutivsekretär der UN-Wirtschaftskommission für Afrika (ECA), Layashi Yaker, nennt den Bevölkerungsdruck und den Raubbau an Ressourcen als Wachstumshemmnisse. Hinzu kämen „Forschungsdefizite, falsche Technologie, schlechte Vermarktung, politische Instabilität, bewaffnete Konflikte und die Umweltzerstörung.“ Etwa vier Fünftel des Weide- und Ackerlands in den Ländern südlich der Sahara seien zerstört.
Mitschuld an dieser Katastrophe tragen die alten Kolonialstaaten. Hochsubventionierte Lebensmittelimporte aus den Industrieländern machen heute die einheimische Produktion unattraktiv und treiben die Schulden der afrikanischen Länder in die Höhe. Zudem wies die Konferenz in Harare darauf hin, daß die meisten afrikanischen Regierungen nach der Unabhängigkeit staatliche Vermarktungsbehörden übernommen haben. Sie vertiefen heute die Kluft zwischen Stadt und Land, weil sie im Interesse der politisch unruhigen Städte die Lebensmittelpreise möglichst niedrig halten.
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