: Aus allen Wolken gefallen
■ Verstockte Manager vor dem Untersuchungsausschuß
Düsseldorf (taz) – Nahezu alle deutschen Großbanken haben sich von der mit 2,5 Milliarden Mark pleite gegangenen Balsam AG durch simple Fälschungen täuschen lassen. Die Banker hätten „vor Ehrfurcht den Hut gezogen, wenn der Name Balsam fiel“, erklärte der Geschäftsführer der Finanzierungsgesellschaft Procedo, Dieter Klindworth, gestern dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß des Düsseldorfer Landtags. Dort soll geklärt werden, inwieweit die Behörden bei der Aufdeckung des Wirtschaftsskandals versagt haben.
Erst anderthalb Jahre nach Erstattung einer anonymen Anzeige über milliardenschwere Schwindeleien war der Vorstand des Sportbodenherstellers nach einem Geständnis von Finanzmanager Klaus-Detlef Schlienkamp verhaftet worden. Schlienkamp und Firmenchef Friedel Balsam, die gestern aus dem Gefängnis heraus dem Unterausschuß vorgeführt wurden, verweigerten erwartungsgemäß die Aussage.
Durch Abtreten von Forderungen, Factoring genannt, hatte sich Balsam die zum größten Teil frei erfundenen Luftgeschäfte vorfinanzieren lassen. „Wir wären nie darauf gekommen, daß dem keine existenten Forderungen gegenüberstanden“, sagte der ebenfalls inhaftierte Procedo-Geschäftsführer, Klindworth. Schließlich habe über die international renommierte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Anderson regelmäßig ein Saldenabgleich bei den Schuldnern stattgefunden. Er sei „aus allen Wolken gefallen“, als er nach der Verhaftung der Balsam- Manager erfuhr, daß sämtliche Saldenabgleiche gefälscht waren.
Die Staatsanwälte sind davon überzeugt, daß der Procedo-Geschäftsführer sehr wohl den faulen Braten frühzeitig gerochen hat. Balsam-Finanzmanager Schlienkamp hatte bei einer Vernehmung erklärt, daß ihm Klindworth einmal eröffnet habe: „Ich weiß ja, daß du mir Luft verkaufst.“ Johannes Nitschmann
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