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Aus Korallen Landebahnen bauen

■ Der Streit um die Spratlyinseln im Südchinesischen Meer ist nicht nur politisch, sondern auch für die natürlichen Ressourcen gefährlich

Puerto Princesa (IPS/taz) – Wer die Spratlyinseln besitzt, der verfügt nicht nur über einen strategisch wichtigen Vorposten im Südchinesischen Meer. Er kann auch darauf hoffen, daß sich unter den etwa hundert unbewohnten Inseln reiche Erdöl- und Gasvorkommen finden.

Der andauernde Streit um das Archipel gefährdet aber nicht nur die politischen Beziehungen verschiedener Anrainerstaaten. Er führt auch dazu, daß dort immer mehr natürliche Ressourcen zerstört werden. China und Vietnam, die ihre Besitzansprüche auf dieses Gebiet am hartnäckigsten geltend machen, haben auf den Korallenriffen Geschützstellungen und Abwehreinrichtungen aufgebaut.

Aber auch die anderen in den Konflikt verwickelten Staaten – Taiwan, Brunei, Malaysia und die Philippinen – beuten die Korallenriffe aus. Das philippinische Militär verwertete die Kalkabscheidungen der Blumentiere zum Bau einer behelfsmäßigen Landebahn auf Pag-asa, der größten der Spratlyinseln. Von einigen Korallenriffen seien nur noch Skelette übriggeblieben, heißt es in Manila. Das auf den Philippinen ansässige „Internationale Zentrum für lebende Meeresressourcen“ sieht die gesamten Fischbestände schwinden, wenn sich die Konkurrenten im Streit um die Inseln nicht nur den Wert der hier vermuteten Erdöl- und Gasvorkommen vor Augen führen, sondern auch der reichhaltigen Fischbestände. Die dramatischen Konsequenzen einer solchen Entwicklung sieht auch Panitan Wattanayagom vom thailändischen „Institut für Sicherheit und Internationale Studien“, denn Fisch ist eines der Hauptnahrungsmittel der Region.

Mehrfach kam es in der Vergangenheit zu bewaffneten Auseindersetzungen um diese Inseln, besonders zwischen China und Vietnam. Derzeit beschränken sich die Konkurrenten auf Drohungen und Provokationen. Vor wenigen Wochen erst kam es erneut zu Spannungen, nachdem China mehrere Gebäude auf einigen von den Philippinen beanspruchten Atollen errichtet hatte.

Wie groß die Erdöl- und Gasvorkommen in der umstrittenen Region tatsächlich sind, ist nicht klar, da die betreffenden Länder die Ergebnisse ihrer geologischen Studien verständlicherweise nicht publizieren wollen. Nach Berichten der Hongkonger Zeitung Far Eastern Economic Review haben russische Forscher Mitte Februar bei einem Geologenkongreß in Manila erklärt, daß hier fossile Brennstoffressourcen lagern, die etwa einer Milliarde Tonnen Rohöl entsprechen, was bei heutigen Preisen etwa 126 Milliarden US-Dollar bringen würde. Davon seien etwa siebzig Prozent Gasvorräte. li

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