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Aufregende Lesben...

■ ...fand Annette Förster (NL) in neuen Frauenfilmen

Sie sind politisch progressiv, aber voller Ernst gegenüber dem Leben, arbeiten vorzugsweise im Bereich der kommunikativen Künste (freiberuflich, also ungeschützt, „vogelfrei“), sehen aus wie alle anderen Frauen auch, kleiden sich modisch-feminin - und sind allein auf weiter Flur. Die Lesben in den von Annette Förster als „naturalistisch“ charakterisierten Filmen haben keine anderen Vorbilder als sich selbst. Für sie ist Frauenliebe eine Frage des Mutes Einzelner und sie hat, seitdem Frauen diese Filme drehen, eine echte Chance auf Verwirklichung, bleibt das Ende der Geschichte doch offen, das Glück möglich. Beliebt sind solche Filme bei Lesben vor allem, weil sie - endlich - Modelle zur Identifikation anbieten, Lesbischsein aufgelöst wird in eine mehr oder weniger glückliche Normalität. Ganz anders die „nicht -naturalistischen“ Produktionen, die seit Beginn der 80er Jahre vermehrt das Bild des lesbischen Films prägen. In ihnen findet Annette Förster mächtige, abenteuerlustige, gewagte, eben neue und aufregende Leinwand -Lesben, die aus ihrem Anderssein

und ihrer Unterschiedlichkeit (in den eigenen Reihen) erotische Kraft entwickeln, phantastische Träume von einer neuen Gesellschaft entzünden. Beispiele u.a. die Filme von Ulrike Ottinger, Elfi Mikesch, Monika Traut. Gemeinsames „Problem“ aller Lesbenfilme ist und bleibt die Liebesszene, zuviele Bilder sind durch zuviele Männerfilme okkupiert, kolonisiert, zum Voyeurismus verkommen. Da bleibt dann oft als einzige Lösung, die „eigentliche Szene“ zu umgehen oder mit humorvollen Brüchen die Klischees zu entlarven.

Annette Förster, holländische Publizistin und Frauen-Film -Kennerin, auf Einladung von Kommunalkino und Institut für Film und Fernsehen nach Bremen gekommen, trug ihre geistreichen und überzeugenden Thesen, ergänzt durch etliche Filmausschnitte, in exzellentem, wortwitzigem Deutsch vor ein Genuß, zuzuhören und mitzudenken. Daß die richtige Stimmung für ein anschließendes Gespräch unter den Teilnehmern nicht aufkam, lag vielleicht an den nüchternen Räumen der Angestelltenkammer (!). Andrea Schweer

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