Aufmerksamkeitsökonomie: Fördern& fordern
Hamburger Kunsträume
von Hajo Schiff
Es ist zwar nicht unmäßig dotiert, aber lobenswert: das Hamburger Arbeitsstipendium für bildende Kunst. Immerhin hilft es seit 1981 zehn durch zwei Jurys ausgewählten Künstlerinnen und Künstlern für ein Jahr mit Geld und danach mit einer Ausstellung samt Katalog. Da eine gemeinsame Ausstellung von gerade nach ihren verschiedenen Positionen ausgesuchten KünstlerInnen aber immer etwas Zwanghaftes und Messemäßiges hatte, kam Bettina Steinbrügge, die Kuratorin des Kunstvereins in Hamburg, darauf, die Präsentation in wöchentliche Einzelpräsentationen aufzusplitten.
Dabei gibt es allerdings Probleme mit der Aufmerksamkeitsökonomie. Denn auch für die aktuelle 35. Ausgabe, nun aber im frisch aufwändig renovierten Kunstverein Harburger Bahnhof, wurde wieder dieses neue Modell gewählt. Siebenmal wird der ehemalige Wartesaal im Fernbahnhof unter dem Titel „Sequenzen aus 50 Millionen Konstellationen“ neu ausgetestet.
Ab Freitag und bis zur „Langen Nacht der Museen“ am Samstag zeigt Babak Behrouz seine Installation mit iranischen Energiesparlampen. Danach wird es von Marlene Denningman Video geben und Film von Anna Steinert. Es folgen Carsten Benger, Christiane Blattmann, und Anja Dietmann. Am Ende wird der Raum ganz zur Werkstatt, wenn Jens Franke ein Garagentor baut. Ein Fotobuch über ein ehemaliges Bordell in Yokohama präsentiert Verena Issel zur Finissage am 7. Mai.
Den Auftakt der disparaten Konstellationen macht bis Sonntag Helena Wittman mit Meerwasser-Sound und Muschel sowie Armin Chodzinski mit seiner musik-literarischen Performance samt Bild-Diagrammen unter der „Malcontentista“ beschrifteten Flagge seines grundlegenden Missvergnügens. Missvergnügt war auch das Grußwort der Kultursenatorin, die wieder einmal das weitverbreitete Gefühl geißelte, Harburg sei „weit weg“ und Hamburg überhaupt als viel zu kunstfern vehement abkanzelte. Das mag ja stimmen, aber vielleicht sollte die oberste Vertreterin der Exekutive in diesem Bereich nicht wohlfeil kritisieren, sondern konstruktiv handeln.
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