Seine Märchen versprühen einen faszinierenden Schrecken. Nun sind die Tagebücher des Hans Christian Andersen auf Deutsch erschienen. Während in den Märchen der Klartext eines gequälten Lebens aufscheint, war Andersen im Tagebuch ununterbrochen mit Normalisieren beschäftigt
Komponist und Kolporteur der „lost generation“: In seiner verwegenen Autobiografie „The Bad Boy of Music“ bewies sich George Antheil als brillanter Legendenschmied in eigener Sache. Zu seinem 100. Geburtstag wurde das Buch neu aufgelegt
Von Elbbrückenszenen und nostalgischen Straßenbahnen bis zum Wiederaufbau der Semperoper: Als Dokumentarist hat sich Christian Borchert mit dem Wandel seiner Heimatstadt Dresden beschäftigt. Auch nach der Wende. Am Sonntag ist der 1942 geborene Fotograf beim Baden tödlich verunglückt
Seine Ausgangslage war und ist nahezu unvergleichlich, weil sich die größten Namen der deutschen Geistes- und Literaturgeschichte noch immer mit seinem Namen verbinden. Nun entlässt S. Fischer fünfundvierzig Mitarbeiter. Beinahe jeder Vierte muss gehen, und der Verlag macht irgendwie weiter
Liebe Ungeborene, aufgepasst! Nicht alle eure potenziellen ErzeugerInnen mögen die Teletubbies. Moloko, der anspruchsvolle englische Pop-Entwurf für die nachwachsende Elterngeneration, näht seine Niedlichkeiten mit eingebautem Loser-Charme lieber selbst
Im Fernsehgeschäft macht Deutschlands größtes Pressehaus zwar leidlich Umsatz, aber eine lächerliche Figur:Mit „Newsmaker“ versinkt heute das Flaggschiff von Springer TV. Und Sat.1 ist froh, das Sorgenkind endlich los zu sein
Joseph Beuys erleuchtete Dr. Kohl mit dem Satz „Jeder Mensch ist ein Künstler“ – keine andere Partei sieht Kunst so sehr als Kapitalanlage wie die CDU. Wurde im Gegenzug die moderne Kunst mit ihren Event-Managern ein Teil des Kohl-Systems? ■ Von Wolfgang Müller
Was spricht die Bestie? Romuald Karmakar hat mit dem Schauspieler Manfred Zapatka eine dreistündige Rede Heinrich Himmlers vor führenden SS-Generälen in Posen verfilmt
Besser gemeint als gemacht: Die ersten drei Theaterpremieren an der Berliner Schaubühne konnten das Verhältnis von Politik und Theater nicht neu definieren ■ Von Christiane Kühl
Banalität und Wahrheit im konsequenten Oberflächenbluff. Stefan Bachmann stellt in Hamburg seine Märchenonkelqualitäten unter Beweis und geht bei der Uraufführung von Rainald Goetz’ „Jeff Koons“ dem Autor nicht auf den Tiefenleim ■ Von Ralf Poerschke
Bis in die Siebziger war das Barrio Reus Zentrum jüdischen Lebens in Montevideo. Heute leuchtet dort Mischa Kuballs Installation „greenlight“. Das Goethe-Institut ist's ebenso zufrieden wie die Bewohner des ersten Arbeiterviertels Südamerikas ■ Von Christiane Kühl
Das zentrale Rätsel des Falls Raoul Wüthrich ist: Warum legen gerade die USA einen solchen Eifer an den Tag, Kinder als Kriminelle einzustufen? Hinweise auf den traditionellen amerikanischen Puritanismus reichen als Erklärung nicht aus ■ Von René Grandjean
Der „FAZ“-Journalist Konrad Adam sucht nach der alten Mitte. Doch die entpuppt sich, genauso wie die modische neue Mitte, bei näherem Hinschauen als flüchtiger Gegenstand. Denn die Gesellschaft ist facettenreicher, als die Begriffe suggerieren ■ Von Warnfried Dettling
Abgründige Provinz und abwegige Verwandtschaftsverhältnisse: Robert Altmans Alterswerk „Cookie's Fortune“ ist eine Südstaaten-Milieustudie, die subtil in den Mainstream des Wiedererkennens führt ■ Von Ulf Erdmann Ziegler